Das versteckt liegende Werkstatthaus Offenbach ist eine Entdeckung wert

Perlen im Hinterhof

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Vor zwei Jahren hat Bernd Fischer das Werkstatthaus Offenbach (wh-o) gegründet, wo er eine Rasterbildserie zeigt. Foto: Gries

Offenbach - Vom 26. bis 28. April öffnen Ateliers, Galerien, Ausstellungsräume und Museen anlässlich der Offenbacher Kunstansichten ihre Türen. Einige der Beteiligten stellen wir in loser Folge vor. Von Reinhold Gries

Das 2011 vom Offenbacher Bernd Fischer (Jg. 1954) gegründete „Werkstatthaus-Offenbach“ („wh-o“) liegt versteckt im Hinterhaus der Grabenstraße 9, die nahe der Bahnunterführung in die Bieberer Straße mündet. Das Sträßchen ist so kurz, dass man es beinahe übersehen kann. Das sollte man vor allem zu den Kunstansichten nicht tun, denn neben Städel-Meisterschüler und Dozent Fischer geben auf der Künstlerplattform weitere Hochkaräter Einblick in neue Arbeiten, darunter Städel- und FH-Dozenten wie Nino Pezella und Thomas Ganter, wh-o-Lehrende wie Emmanuéle Barone, Dagmar Rees und Max Markus Schröder. Dazu kommen illustre Gäste: Städel-Meisterschülerin Susanna Ortiz Maillo, die HfG-Offenbach-Absolventen Friederike Walter und Katarzyna Zommer.

Nicht nur Integrationsfigur

Fischer ist im „wh-o“ nicht nur Integrationsfigur. Welch herausragender Maler und Glaskünstler er ist, ist auch in seinem Atelier zu studieren. Zuletzt hat er Glasfenster für Wiesbadens Marktkirche und die Kapelle des Frankfurter Hufelandhauses realisiert.

Für die 125 Meter umlaufende Attika des Dobergmuseums in Bünde/Westfalen gestaltete Fischer eine doppelt bearbeitete Glasmalerei. Einerseits sind dort – inspiriert von einem Nasa-Foto – 300 Lichtjahre unserer Galaxie zum faszinierenden Bild mit Sternenhaufen und Nebeln zusammengezogen, andererseits schwebt die Lineatur des nur 2,6 Millimeter großen Fossils „Nodosaria albatrossi“ wie ein monumentalisiertes Perpetuum darüber. Dabei arbeitete Fischer wie oft mit Keramikfarbe, Schwarzlotmalerei und dem Sandstrahlverfahren.

Thomas Ganters Malerei

Neben Notationen zu einer Bach-Komposition, die zur Glasmalerei werden soll, hängen Fischers im Frankfurter Zoo mit Pastellstiften gezeichnete Spitzmaulnashörner. Deren malerische Delikatesse, die demnächst auch bei „kunst privat“ zu sehen sein wird, hat er in eine 200 Kilo schwere Glasmalerei verwandelt, um noch mehr Räumlichkeit zu schaffen. Dazu hat er die mit Acryl und Siebdruck auf Sperrholz gemalte Rasterbild-Serie „18 Frauen und Männer, geboren zwischen 1897 und 1982“ an der Wand zur großformatigen Edition aufgelegt. Beim Betrachten der durchaus menschlichen Konterfeis ist man völlig verblüfft, nachgewiesenermaßen Massen- und Völkermördern ins Auge zu blicken, die nie einer angemessenen Strafe zugeführt wurden…

Markus Schröder verwandelt Seidenpapierobjekte in Farbflächen

Einen Stock höher arbeitet Schröder nicht nur an wundervollen Pastellen sondern auch an filigran manipulierten Seidenpapierobjekten, die er bestimmten Lichtsituationen aussetzt, um sie zu filmen und zu fotografieren - und dann zu zerstören. Dabei legt er den künstlerischen Weg der Objekte aus der realen Welt in den virtuellen Raum offen. Auch bei der Afrikanerin Barone geht es ums gekonnte Spiel mit der Wahrnehmung, dargestellt in körperhaften Gesten und Konturen auf markanten Farbflächen. Friederike Walter zeichnet hingegen leere Räume, die existenziell wirken. Wie sie das Flimmern und Leuchten in Übergängen von Licht und Schatten auslotet, ist meisterlich.

Auf keinen Fall links liegen lassen

Meister ihres Fachs sind auch Genremaler Ganter, in naturalistischen Ölbildern nach neuen Antworten auf Alltägliches auch in der Gefriertruhe eines Supermarktes suchend oder Objektkünstlerin und Buchbinderin Rees und Malerin Ortiz Maillo, die mit bunten Farben und spielerischer Figuration Traum- und Tagwelten verwebt. Und da wäre noch Katarzyna Sommer, die ihre fast haptischen, pastos erdigen Zeichnungen und Malereien zum Vulkankrater Cha das Caldeiras aus Cabo Verde zeigt. Das „wh-o“ in der Grabenstraße sollte man keinesfalls links liegen lassen.

Quelle: op-online.de

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