Philipp Löhles „Genannt Gospodin“

Sympathisches Dampftheater

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Der Totalverweigerer trägt Kajal zum Skianzug: Mario Fuchs in der Box.

Frankfurt - Gejohle und begeisterter Applaus zum Schluss. Es ist ein ausgesprochen junges Publikum, das diese Premiere in der Box des Frankfurter Schauspiels besucht hat. Ein geneigtes, etliche Freunde und Bekannte der Akteure auf der Bühne befanden sich natürlich drunter. Von Stefan Michalzik

Jung sind auch die Schauspieler, sämtlich Mitglieder des Stipendiatenprogramms „Studio“ Munter stellt sich dieser Abend dar. Zur Hymne aus dem Rockpopschlager „The Final Countdown“ von Europe zieht unter Nebel eine Trias von maskierten schwarzen Kapuzenmännern mit Stirnlampen ein, die alsbald ihre Mäntel ablegen und einen herzlich willkommen heißen. Unter den Mänteln kommen Skianzüge hervor. Rechts stehen Kleiderständer mit einem von Jelena Mileti bestückten Kostümfundus bereit.

Die Augenlider der Jungs sind mit Kajal bestrichen. Das Trio – Christian Erdt, Mario Fuchs und Daniel Rothaug – präsentiert sich als Band an E-Gitarre, Keyboard und elektronischem Schlagzeug. „Holding Out for a Hero“, die alte Bonnie-Tyler-Nummer, klingt immer wieder an. Alles hübsch possierlich. Und dann auch noch diese Sprüche. „Greenpeace hat mir mein Lama weggenommen.“ Und es in den Zoo gesteckt. Lustig. Gespielt wird das Stück „Genannt Gospodin“, der auf das Jahr 2007 zurückgehende erste Erfolg des in Berlin lebenden Dramatikers Philipp Löhle, Jahrgang 1978.

Der Totalverweigerer

Gospodin ist ein Totalverweigerer. Mit dem Lama will er in einer system-, sprich: kapitalismusfernen Autonomie seine Existenz bestreiten. Anette, Gospodins stets im übergestreiften weißen Brautkleid in Erscheinung tretende Freundin, vertritt gleichsam das Wirklichkeitsprinzip samt seinen pekuniären Erfordernissen und befindet sich im Übrigen auf dem Absprung. Die Geschichte – einige Freunde Gospodins sind außerdem mit im Spiel – ist im Prinzip simpel. Am Ende findet Gospodin ausgerechnet im Gefängnis seine Utopie von einem Leben ohne Geld verwirklicht. Eine klug gestrickte und amüsante, allerdings auch petitessenhafte, Komödie vom Scheitern des antikapitalistischen Anspruchs an der Wirklichkeit.

Unter der Regie von Roscha A. Säidow holt das Trio einen musikalischen Groove aus dem Text, mit teilweise rasanten Temposteigerungen. Der äußere Aufwand ist gering. Bühnenbildner Paul Faltz hat ein winziges, von einer Leuchtgirlande gesäumtes versetztes Doppelpodium in den dunklen Raum gestellt, das war’s schon fast. Unsympathisch ist dieses Dampftheater nicht. Die Box ist ein geschützter Raum der öffentlichen Erprobung. Da mag einiges angehen, was auf einer der „richtigen“ Bühnen des Hauses niemals hinnehmbar wäre.

Mehr als hübsch ist immer gut

Milde sei freilich daran erinnert, dass es sich nun eben doch um einen Ort der ersten Schritte an die Öffentlichkeit – heraus also aus dem internen Rahmen der Hochschulen – handelt. Es wäre erfreulich, wenn sich ein gewisses Maß an einer über das blanke Handwerk hinausweisenden Originalität, Ansätze einer das Interesse weckenden vielversprechenden eigenen Handschrift erkennen ließe. Mehr als hübsch ist immer gut.

Informationen: Weitere Aufführungen am 20. Dezember sowie am 2. und 3. Januar 2013.

Quelle: op-online.de

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