Pilgerstätte für Cineasten

In Wiesbaden werden Schätze deutschen Filmschaffens gehegt und gepflegt: Zurzeit arbeiten Restauratoren an der Wiederherstellung von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“.

Das Wiesbadener Filmhaus will deutsche Filmkultur für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Eröffnet wird es am Mittwoch, 1. April, mit einem Tag der offenen Tür in der eigens umbenannten Murnaustraße. Dann beginnt auch die Ausstellung „Schätze deutscher Filmgeschichte“.

Ein Bestand von mehr als 2 000 Stumm-, 1 000 Ton- und 3 000 Kurzfilmen aus sechs Jahrzehnten deutscher Produktion wird von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung archiviert und – bei Bedarf – restauriert. Zu den Hauptattraktionen des Filmhauses zählt das Kino, das künftig zweimal in der Woche deutsche Filmkultur auf der großen Leinwand zeigt.

Zurzeit arbeiten die Restauratoren am Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1925/26). Die bereits restaurierte, aber unvollständige Fassung von 2001 und nach 80 Jahren wiederentdeckte Originalsequenzen aus Argentinien bilden die Grundlage für das aktuelle Projekt. In Buenos Aires fanden sich im vergangenen Jahr Szenen, die bis dato nur anhand von Quellen wie Drehbuch, Standfotos, Partitur und Zensurkarte rekonstruiert werden konnten. Auf Basis einer Verleih-Kopie aus den 60er Jahren soll eine Fassung entstehen, die auch im Fernsehen gezeigt und auf DVD erhältlich sein soll. „Metropolis“ wird am Tag der Offenen Tür erstmals im hauseigenen Kino vorgeführt. Ein weiteres Restaurierungsprojekt ist der zweiteilige Monumentalstreifen „Die Nibelungen“, der 2010 mit neuer Musik Premiere haben soll.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit Stummfilmen wie „Madame Dubarry“ (1919) von Ernst Lubitsch, „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1919/20) von Robert Wiene und „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) von Paul Wegener sowie mit Tonfilmen wie „Der blaue Engel“ (1929/20) von Josef von Sternberg, „Die Drei von der Tankstelle“ (1930) von Wilhelm Thiele und „Münchhausen“ (1942/43) von Josef von Baky. Neben Filmausschnitten werden bis zum 31. Mai Drehbücher, Kostüm- und Architekturentwürfe, Stand- und Werkfotografien, Plakate, Programmhefte und Werbematerialien in den Räumen präsentiert.

Zahlreiche Institutionen sind seit Anfang des Jahres unter dem Dach des Wiesbadener Filmhauses vereint. Neben der Murnau-Stiftung beherbergt es die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) und eine Abteilung des Deutschen Filminstituts (DIF), auch die Deutsche Filmkünstler-Nothilfe (FKN), das Institut für Kino und Filmkultur (IKF) sowie diverse Büros von Postproduktions- und Vertriebsfirmen. BIANKA REHN

Quelle: op-online.de

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