Schau im Deutschen Architekturmuseum

Spielwiese für Design und Pop

+
„Miss November“ im B.K.F Hardoy Butterfly Chair von Jorge Ferrari-Hardoy, 1954

Frankfurt - Der „Playboy“, das weltbekannte Erotik- und Kultur-Magazin des auch schon 83-jährigen Hugh Hefner mit einer Auflage von über fünf Millionen Heften, besteht nicht nur aus freizügigen Playmate-Centerfolds. Von Reinhold Gries 

John Lautners „Playboy Pad-Pleasure on the Rocks“ von 1971

Das illustriert die von Beatriz Colomina kuratierte Schau im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, die sich mit den Architektur-Ideen der von 1953 bis 1979 vollständig ausliegenden Hefte beschäftigt. Nimmt man im verspiegelten Regal-Labyrinth originale „Playboy“-Hefte zur Hand - das sollte man tun - kann es vorkommen, dass darin abgebildetes neues Design oder futuristische Bauvisionen den sich räkelnden Pin-Up-Girls die Schau stehlen. „Playboy“-Unerfahrene staunen über Inhalt und Qualität der Texte zwischen Dalis surrealistischen Ideen, Jean Paul Sartres Sozialkritik und Erzählungen von Ernest Hemingway oder Heinrich Böll.

Kühne Architekturentwürfe Albert Speers und Frank Lloyd Wrights ziehen ebenso Aufmerksamkeit auf sich wie Reportagen zu Hundertwassers Nacktprotest gegen unmenschliches modernes Bauen, zu neuen Strömungen im Jazz oder zu Marlon Brandos und Maria Schneiders provokanten Film „Der letzte Tango“. Gut gebaute „Girls“ werden fast zum Nebeneffekt. Obwohl auch sie in Darstellung und Outfit für stark veränderte Schönheitsideale seit den 1950er Jahren stehen. Es fesselt, sich in die Verführungsstrategie des gut vermarkteten „Playboy“ und seiner Design-Philosophie einzulesen. Und das Magazin ab den 50ern als rebellischen Gegenentwurf zur kleinbürgerlichen Vorstadtidylle kennenzulernen. Leitfigur des „Playboy“- Images ist eher der urbane Junggeselle amerikanischer Millionenstädte. Er agiert cool und lässig vom Penthouse-Büro im Wolkenkratzer, verbringt Freizeit in schicken Bars oder Clubs und fährt schnittige Karossen.

Wright pflegte das bessere „Playboy“-Image

Penthouse-Wohnung des Playboys James E. Tucker, 1956

Dazu kommt der Rückzug ins „Bachelor Pad“ mit großzügigen Appartements voller Designermöbel, vollautomatischen Küchen und gut bestückten Bars. Und luxuriösen Wohlfühlbetten samt integriertem TV-Schirm, in denen man - neben anderem - in aller Ruhe seinen „Playboy“ studiert. Irgendwie kommt einem da der arg vermisste Gunther Sachs in den Sinn, Kultfigur des gebildeten, kulturbewussten Playboytums von gestern. Umso mehr nervt im „Playboy“ oft egomanische Leichtigkeit pseudomännlichen Seins, das vor der Welt flieht.

Stararchitekt Frank Lloyd Wright pflegte das bessere „Playboy“-Image noch mit 85 Jahren - Hugh Hefner lässt grüßen. Daneben posieren Vorzeige-Designer wie Charles und Ray Eames, Eero Saarinen, George Nelson, Harry Bertoia, Roberto Matta oder Frank Gehry neben ihren berühmten Chairs. Dazu gibt es typische „Playboy“-Penthouse-Appartments, aufblasbare „Bubble Houses“, Donald Jayes Townhouses samt Master-Bedrooms, John Lautners „Playboy-Pad-Pleasures on the Rocks“ und das „High life in the round“ in burgartiger Rotunde zu sehen. Zu allem sind kontroverse Leserbriefe abgedruckt. Atemberauben sind futuristische Entwürfe wie Buckminster Fullers „City of the Future“-Wohnpyramide oder die überdimensionale Wohnpilz-Stadt für 170.000 Einwohner.

Die 100 heißesten Frauen aller Zeiten: Drei Deutsche sind dabei!

Die 100 heißesten Frauen aller Zeiten: Drei Deutsche sind dabei!

Um architektonisch wie gesellschaftlich „up to date“ zu bleiben, sandte das Magazin oft Trauben von Mitarbeitern in Städte der Welt. Dort wurden nicht nur schöne „Girls von Paris“ hüllenlos fotografiert, sondern auch urbane Lebensräume getestet. Entsprechende „Playboy“-Ausgaben wirken wie eine kreative Spielwiese von Design und Pop-Kultur.

  • „Playboy Architektur 1953 - 1979“ bis 20. April im Deutschen Architektur Museum, Frankfurt, Schaumainkai 43. Geöffnet: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 11-18 Uhr, Mittwoch von 11-20 Uhr

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare