Handyvideos im Museum für Kommunikation

Poesie des Augenblicks

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Sequenzen aus Handy-Filmen werden zur begehbaren Installation.

Frankfurt - Die Straße ist ihr Atelier. Dort beobachten, suchen und entdecken die in Stuttgart ansässigen Medien-Künstlerinnen Eva Paulitsch und Uta Weyrich Protagonisten und Material für ihr 2012 aufgelegtes Forschungsprojekt, das sich mit Handy-Videos beschäftigt.

Die sogenannten „No Story“-Filme übertragen sie noch am Ort der Geschehens per Bluetooth auf ihr eigenes Handy und haben in gut sieben Jahren reichlich Stoff für ihre Installationen gesammelt, von denen jetzt einige im Frankfurter Museum für Kommunikation gezeigt werden.

Aus den Filmsequenzen inszeniert das Künstlerinnen-Duo gemeinsam mit dem Projektionisten Philipp Contag-Lada begehbare multimediale Installationen, die sie „narrative Handlungsräume“ nennen und die mit ihrer heterogenen Struktur das Kino im Kopf des Betrachters anwerfen. Parallel dazu verwandelt sich die Fensterfront des Museums nach Einbruch der Dämmerung in eine interaktive Projektionsfläche, die auf das Licht von Handy-Displays reagiert.

Die Wechselausstellung ist das erste „Parcours“-Projekt der von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) in Zusammenarbeit mit der hessischen Film- und Medienakademie ausgerichteten „B3 Biennale des bewegten Bildes“, die als Nachfolger des eDIT-Filmmaker’s Festival vom 30. Oktober bis 3. November Premiere feiert.

In drei Modulen, dem „Festival“, dem „Parcours“, an dem sich Institutionen vom Kunstverein bis zum Museum beteiligen, und dem „Campus“ bietet die unter dem Motto „Expanded Narration: Das neue Erzählen“ stehende Biennale eine internationale Plattform für den Diskurs und die Vernetzung von Film- und Fernsehmachern, Künstlern, Designern, Wissenschaftlern, Technikanbietern und Nachwuchsfilmern.

Inhaltlicher Schwerpunkt sind Fernsehserien, die als „Mega Movies“ gelten. Angesagt haben sich beispielsweise die Macher der US-Serie „The Killing“ (Veena Sud) sowie Tom Fontana („Borgia“). Zudem gibt unter anderem Theatermagier Robert Wilson Einblicke in seine Arbeit. Schließlich reist Laurie Anderson an, stilprägende Pionierin der Multimedia-Kunst, die den Biennale-Preis für ihr Lebenswerk erhält. Eva Paulitsch und Ute Weyrich sind auch als Jurymitglieder des Video-App-Wettbewerbs „B3 Ultrashort“ gefordert, der in zwei Kategorien vergeben wird. Unter „#B3 Expanded Narration“ können bis 3. Oktober wenige Sekunden lange Videobeiträge eingereicht werden. „#B3 Live“ prämiert Live-Videos von der B3 Biennale, Einsendeschluss ist der 3. November (15 Uhr). Detaillierte Informationen zur Biennale und den Wettbewerben gibt es unter www.b3biennale.com. J cm

‹ „Dreh dein Ding“ noch bis 24. November im Frankfurter Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53. Geöffnet: Dienstag bis Freitag von 9-18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11-19 Uhr.

(cm)

Quelle: op-online.de

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