Poesie des Surrealen

+
Irritierende Szenarien stellt der 1945 in Leipzig geborene Werbegrafiker Uwe Schramm in Offenbach zur Schau.

Offenbach - Einen beispielhaft spielerischen und konzeptionellen Umgang mit der Fotografie zeigt die Ausstellung des 1945 geborenen Künstlers Uwe Schramm im „Salon13“ des Bundes Offenbacher Künstler (BOK). Von Eugen El 

Dass Schramm im Laufe seines Berufslebens als Werbegrafiker einen professionellen Umgang mit Bildern pflegte, merkt man seinen Arbeiten an. Sie sind technisch einwandfrei produziert, gut ausgeleuchtet, scharf. Auf der inhaltlichen Ebene entfalten sie jedoch die notwendige Irritation, die sie in einen künstlerischen Kontext stellt.

Ein Hemdkragen - ohne Hemd - in seinem inneren Rund mit Wurstscheiben gefüllt. Spargel, aus einer Damenhandtasche hervorschauend, auf einer Tischdecke drapiert. In seinen Fotografien inszeniert Uwe Schramm absurde und unerwartete Konstellationen und Anordnungen. Die scheinbar vertrauten Dinge des Alltags werden poetisch und allegorisch aufgeladen. Die Bilder sind rätselhaft und unheimlich, stellenweise aber auch von hintergründigem Witz. Sie scheinen in der Tradition des Surrealismus zu stehen. Auf einem Bild sieht man eine Axt, auf einem Kissen liegend. Härte, Schärfe, Gewalttätigkeit kontrastieren mit Ruhe, Sänfte, Intimität.

Schramm geht konzeptionell vor, fotografiert nicht spontan. Er beginnt mit einer Idee, für die er dann die notwendigen Requisiten sucht. Die Fotografien entstehen daraufhin, meist bei Sonnenlicht, im Studio. Sie sind kein Produkt von Bildbearbeitungsprogrammen. Mit seinen Bildern möchte Uwe Schramm Geschichten erzählen und auch gesellschaftliche Zusammenhänge thematisieren.

Uwe Schramm „Was wir suchen, ist alles“ noch bis 6. Juli im BOK-Salon 13, Kaiserstr.13, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch 17-20 Uhr, Sonntag 15 -18 Uhr

Ein Küken steht etwas verloren auf einem industriell zugerichteten Hühnchen. Leben trifft auf Lebensmittel. Die Vorahnung einer düsteren Zukunft? Die abermalige Erinnerung an einen unwürdigen Umgang mit Tieren? Uwe Schramm weiß genau, dass jeder Betrachter eigene Erzählungen, eigene Assoziationen zu den Bildern entfaltet. Darin liegt die Stärke seiner Arbeiten. Sie sind lakonisch formuliert und geben den notwendigen Raum für Interpretationen. Hierin unterscheiden sie sich von den plakativen Bildern der Werbung.

Leben trifft Lebensmittel: Schramm erzählt Geschichten, will aber auch auf gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam machen.

Mit Uwe Schramms Fotografien verabschiedet sich der Bund Offenbacher Künstler aus den Räumen in der Kaiserstraße. Zur neuen Adresse des BOK wird das Gebäude der ehemaligen Offenbacher Zollamts in der Frankfurter Straße, wo gerade ein künstlerisch-kreativer Hot Spot entsteht.

Quelle: op-online.de

Kommentare