Frankfurter Museum für Moderne Kunst zeigt Wandgemälde und Peking-Arbeit der Amerikanerin Sarah Morris

Die Pop-Art mit digitalen Mitteln erweitert

Sarah Morris, Beijing, 2008 (Filmstill)

Verschachtelte Architektur trifft auf verschachtelte Malerei: Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt zeigt „Gemini Dressage“ von Sarah Morris. Die US-Amerikanerin (Jahrgang 1967) greift die Formensprache von Pop-Art und Minimalismus auf und erweitert sie digital.

Sie ließ sich durch Hans Holleins „Tortenstück“ zu dem über vier Wände und zwei Etagen reichenden Gemälde „Chimera (Origami)“ inspirieren, das sie dem Haus schenkte. Die japanische Faltkunst war Ausgangspunkt zur Farbflächenmalerei; am Computer arbeitete Morris die restliche Anordnung aus. Ein modernes Kirchenfenster aus Rauten und Dreiecken in Weiß, Grau, Schwarz, Pastell, Orange und Dunkelblau kann man sich darunter vorstellen. Vom oberen Teil der zentralen Treppe aus korrespondiert die Arbeit mit den quadratischen Farbaufstrichen Günter Förgs, der die Wand des Aufgangs mit Grün-Orange und Blau-Orange versehen hat.

Nicht nur Architektur inspirierte zur Konzeption: Die meisten Morris-Malereien in Frankfurt sind Teil ihrer Beschäftigung mit dem Film „Beijing“. 2008 erhielt sie die Genehmigung, in Peking unzensiert bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele zu filmen. Heraus kam ein 86 Minuten langes Werk im Kinoformat. Monströse Häuserpanoramen wechseln mit monumentalen Regierungsgebäuden. Nahaufnahmen von Rentnern, im Park tanzend und turnend, spielen über zu Kurzaufnahmen muskelbepackter Athleten im bunten Sportdress. Untermalt ist das mit elektronischer Musik von Morris’ Mann Liam Gillick, diesjähriger Gestalter des Deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig. Elektronische Rhythmen, mal bedrohlich, mal melancholisch, geben Hinweise, wie die Bilder zu verstehen sind.

Drei weitere Filme sind zu entdecken, doch sie lösen nicht den Sog aus wie die Bilder aus der Millionenstadt. Daneben hängen großformatige Malereien; teils Weiterführung der olympischen Ringe, teils erinnernd an eine zersplitterte Windschutzscheibe oder die kristalline Anordnung von Schneeflocken.

Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer gelingt mit ihrer ersten Wechselausstellung eine sehenswerte Union vergangener und gegenwärtiger Kunst. TINA OWCZAREK

Sarah Morris: Gemini Dressage, bis 30. August im Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Domstraße 10. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch 10 bis 20 Uhr. http://www.mmk-frankfurt.de

Quelle: op-online.de

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