Ein Prinz auf Rollerskates

In Offenbach konnte man den Duft der großen Opernwelt schnuppern. Trotzdem war das Capitol nicht ausverkauft, als dort das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper mit der neuen Produktion von Rossinis „La Cenerentola“ gastierte. Von Eva Schumann

Zwar fehlt manches zum zünftigen Operntheater, doch das karge Bühnenbild und die Regie-Idee, den Saal einzubeziehen, waren ihm angemessen. Árpád Schillings Inszenierung war Genuss und reinstes Vergnügen. Die Münchner beschränkten sich auf Höhepunkte, vorzugsweise Ensembles, und unterhielten mit köstlichen Einfällen (Bühne und Kostüme: Márton Ágh).

Aschenputtel schrubbt schon zur Ouvertüre den Boden. Dem Auftritt der in Pelzmäntel gehüllten Stiefschwestern, die das graue Kapuzenmädchen Angelina tyrannisieren, folgt eine schräge Traumszene des Stiefvaters Don Magnifico. Kaum ist die Familie in Aufruhr über die Nachricht von einem Prinzen auf Brautsuche, naht dieser auf Rollerskates aus dem Auditorium. Angelina zieht ihn mit dem Besenstiel zu sich, und es ist passiert: Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn der Prinz nur ein Diener zu sein vorgibt.

Prinz und Diener bis auf Shorts entblößt

Als Prinz Romero tritt sein Domestik Dandini auf, zum Auskundschaften delegiert, und die Familie ins Schloss. Den Versuch, die dritte Tochter zu verleugnen, vereitelt Alidoro, der sich vom Standesbeamten in einen Himmelsboten verwandelt. Während sie dort in blauer Burka erscheint, präsentieren sich Prinz und Diener bis auf Shorts entblößt, die mannstollen Schwestern in schwarzen Dessous. Ramiro aber verliebt sich ein zweites Mal ins Aschenputtel und gibt den Rollentausch auf. Das Paar darf im bürgerlichen Gewand ein Happyend besingen.

Schauspielerisch und sängerisch war das Ensemble durchweg ausgezeichnet. Nicht zu vergessen der wohlklingende Kinderchor. Die irische Mezzosopranistin Tara Erraught wusste als Aschenbrödel zu rühren und mit perfekter Koloraturtechnik zu beeindrucken. Geläufige Kehlen hatten auch die Rumänin Laura Nicorescu und Kollegin Evgeniya Sotnikova als Stiefschwestern.

Quirliger Playboy Dandini

Umwerfende komische Begabung zeigte als verschlampter, brummiger, eitler Don Magnifico der südkoreanische Bassbariton Il Hong. Sein Landsmann Nam Won Huh lieh dem Prinzen einen strahlenden Tenor und Charme. Als quirliger Playboy Dandini, mit kernigem, flexiblem Bassbariton und ansehnlichem Körper, eroberte Amerikaner Todd Boyce alle Herzen. Schöne Stimme und gute Figur hatte auch der kuwaitische Bass Tareq Nazmi als Alidoro.

Vollkommen machte den Genuss das Bayerische Staatsorchester in kleiner Besetzung. Der englische Dirigent Christopher Ward inspirierte es zu einer spritzigen und dabei so feinfühligen Rossini-Interpretation, wie selten zu erleben.

Quelle: op-online.de

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