Die Provinz ist auch in Offenbach

Offenbach - „Am besten sollte jeder Patient ein eigenes Bett haben. Und die Betten sollten nicht in den Gängen oder Treppenhäusern stehen.“ Die Vorstellung dauert gerade mal fünf Minuten, da denkt jeder im Capitol ans Klinikum Offenbach. Von Markus Terharn

Absicht so: Noch 177 Jahre nach der Uraufführung weckt Nikolaj Gogols unsterbliche Komödie „Der Revisor“ in jeder Stadt Assoziationen. Das russische Provinznest ist überall.

Aus Marburg hat das Hessische Landestheater eine hölzerne Kulisse (Petra Straß) mitgebracht, die sich selbst zerlegt; sinnfälliges Bild für eine Gesellschaft, die von Missstand und Korruption geprägt ist. Deren Repräsentanten steckt Jelena Miletic in knallbunte Kostüme, gekrönt mit grotesken Perücken. Und Regisseur Matthias Faltz lässt sie zu fetzigem Pop wuseln, dass es eine Lust ist.

Viele Mittel sind dem Slapstick abgeschaut, Filmen von Charlie Chaplin oder Buster Keaton. Wild gestikulierend und grimassierend, in schier halsbrecherischem Tempo, interagieren die Darsteller, die dafür ein spezielles Körpertraining absolviert haben. Dies zahlt sich aus.

Rolle zur Karikatur

Jeder gestaltet seine Rolle zur Karikatur ihrer selbst: Sebastian Muskalla ist als Stadthauptmann mit Dalí-Bart von unglaublicher Biegsamkeit. Daniel Sempf sorgt als Krankenhausdirektor für manche Wendung. Ogün Derendeli ist als bestechlicher Kreisrichter eine Wucht. Thomas Streibig schindet als dauertrunkener Postdirektor etliche Lacher. Tobias M. Walter windet sich als Schulinspektor und bildet mit Jürgen Helmut Keuchel das Doppel Dobtschinski und Bobtschinski, das einander köstlich ins Wort fällt. Franziska Knetsch (Mutter) und Marlene Hoffmann (Tochter) wetteifern als mannstolle Russen-Tussen um die Gunst des vermeintlichen Revisors.

Diesen Chlestakow, einen abgerissenen Herumtreiber, legt Charles Toulouse stocksteif, mit weit aufgerissenen Augen, als Kontrastfigur an. Er nutzt die Dummheit seiner Gastgeber weidlich aus – und hält ihnen am Ende den Narrenspiegel vor...

Ergebnis ist der bisher vergnüglichste Abend der Reihe „Theateressenz“ von Kulturbüro und Amt für Kulturmanagement, idealer Abschluss der Saison. Auf ein Neues!

Quelle: op-online.de

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