Psychedelische Kunst und Möbeldesign

Offenbach-Post

Die „Kunstansichten“, überregional beachtetes Offenbacher Festival, finden in diesem Jahr zum elften Mal statt. Rund 100 Künstler präsentieren sich am 19. und 20. September in etwa 50 Ausstellungsräumen, Galerien, Ateliers und Museen. Wir stellen einige von ihnen vor. Von Tina Owczarek

Stefan Stichler, der Betreiber des Atelier „dasEins" für Malerei und Möbelskulpturen in der Offenbacher Karlstraße 51, beteiligte sich an Graffiti, Punkmusik, Tatooing und Skateboard-Shows während der 1980er Jahre in der Frankfurter Subkultur. Immer mehr setzte sich dann später aber seine schon als Kind ausgeübte Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen durch. Er schafft großformatige Leinwände mit dschungelartigen Bildern. Psychedelische Muster wechseln sich mit detailgetreuen Gesichtern ab, Gegenstände sind mit Figuren verwoben. Eine moderne Variante von „Grotesken“: gemalte Ranken mit Wurzeln, Ästen und Blättern, mit Tier- und Menschenköpfen durchwirkt.

Ungeplante und doch beherrschte Technik

Man könnte Stichlers Herangehensweise als eine Mischung aus impulsivem, unbewussten Arbeiten und einer surrealistischer Wiedergabe bezeichnen. Erinnerungen an die Frottagen von Max Ernst werden wach, zumindest in den farbigen Bildern – in den Schwarz-Weiß-Werken ähnelt seine Zeichentechnik der von Jean Cocteau oder Pablo Picasso. Auch da sticht die ungeplante und doch beherrschte Technik hervor.

Stichler vollendete gerade ein Objekt, das jeweils drei Meter in Länge, Breite und Höhe umfasst. Um es sich anzusehen, muss man durch einen niedrigen Eingang in den 360 Grad umfassenden innen bemalten Kreis klettern. Fast klaustrophobisch fühlt man sich dort von der Kunst umzingelt. Wenn man wieder aussteigt, geschieht das, was der Künstler als die Grundmotivation seines Handelns beschreibt: Man fühlt sich befreit. „Ich male mich frei", sagt er, „sonst kann ich mit der Masse an Eindrücken um mich herum nicht fertig werden."

Schaffensdruck mit therapeutischem Effekt

Ein Vergleich mit der „Art Brut“ drängt sich auf – diese Labyrinthe von symmetrischen Mustern, die sich wieder finden bei Malereien von Kindern oder Menschen, die psychiatrisch behandelt werden; oder bei der Stammeskunst vieler Völker wie den Aborigines oder archaischer Kulturen wie den Kelten. Offenbar gibt es so etwas wie einen Schaffensdruck, der einen therapeutischen Effekt hat und mystisch verwendet werden kann.

Stefan Stichler kombiniert seine freie Kunst bisweilen mit dem Anfertigen von Unikatmöbeln. Der Umgang mit Holz ist zu seiner zweiten Passion geworden. Durch das Bauen von Rampen, damals als er sich noch in der Skateboard-Szene bewegte, kam er zum Schreinerhandwerk. Beide Flüsse fügt er manchmal zu einem Strom zusammen. An den „Kunstansichten" nimmt er zum dritten Mal teil, diesmal allerdings in seinem neuen Atelier. Er wird in der Karlstraße neue Bilder, Skulpturen und Möbelobjekte zeigen.

Quelle: op-online.de

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