Puls der Popkultur

Die schillernde Wüstenstadt steht für den American Way of Life der 60er Jahre: Das „Four Queens Casino“ in Las Vegas, 1968.Foto: Venturi, Scott Brown and Associates Inc.

Las Vegas in Nevada, Stadt des Glücksspiels. Jedes Jahr reisen beinahe 40 Millionen Menschen dorthin, um Kasinos und Shows zu besuchen – oder auch, um in einer der unzähligen Wedding Chapels zu heiraten. Das Buch „Las Vegas Studio.

Images from the Archives of Robert Venturi and Denise Scott Brown“ von Hilar Stadler und Martino Stierli (Verlag Scheidegger & Spiess) versammelt Las-Vegas-Fotografien aus dem Jahr 1972. Diese sind jetzt in einer Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt zu bewundern.

Die Wüstenstadt ist ein visuelles Ereignis, ein ganz elementarer Teil der amerikanischen Kultur. Die US-Architekten Robert Venturi und Denise Scott Brown haben 1972 gemeinsam mit Studenten der Yale University die Studie „Learning From Las Vegas“ veröffentlicht und zuvor dort fotografiert und gefilmt.

Bilder aus dem Archiv der Studie illustrieren die einflussreiche Architekturschrift über die „moderne, kommerzialisierte Stadt“ und erzählen von der „Zeichenhaftigkeit“ der Architektur. Doch mehr noch sind sie von Interesse, weil sie selbst Fotokunst sind.

Die satten Farben von Agfa-Color, die Plakate, die Werbeschilder, die Straßenkreuzungen, die Autos, Parkplätze und Tankstellen, das weihnachtliche Glitzern der Lichter, die Hotels, Kasinos und Diners, die Symbole der Alltags- und Popkultur, die Faszination der Reklame, des Kommerzes: All das steckt in diesen Bildern. Die 60er und 70er Jahre waren die wirkliche Hochzeit der amerikanischen Fotografie: Das beweisen nicht nur die bekannten Bilder anerkannter Fotografen wie etwa William Christenberry, William Eggleston, Joel Meyerowitz, Stephen Shore oder Joel Sternfeld, sondern auch die jetzt publizierten, anonymen Fotografien aus dem Archiv der beiden Architekten.

Sie entstanden in einer Zeit, als das Diktum von Walker Evans, die Farbfotografie sei vulgär – nur die Schwarzweißfotografie sei echte Kunst – immer noch für bare Münze genommen wurde. Und sie beweisen das genaue Gegenteil: Sie zeigen den Alltag des American Way of Life, das Banale, Unschöne – und sind gerade deswegen wie Las Vegas ein visuelles Ereignis.MARC PESCHKE

„Las Vegas Studio“ bis 31. Mai im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt, Schaumainkai 43. Öffnungszeiten: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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