Am Puls der Stadt

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So rücken Nachbarn zusammen: Digital-Collage der Künstlerin Uschi Zepter

Wahrlich, die Frau hat ein Feeling für Offenbach – und sogar für die von manchen ungeliebte Nachbarstadt. Ursula Zepter zeigt urbane Ansichten im Haus der Stadtgeschichte und kann damit begeistern: So einig hat man die ungleichen Geschwister selten gesehen, vor allem aber so liebevoll wie sensibel betrachtet. Von Carsten Müller

Dabei spart die in Obertshausen lebende Grafikerin, die an der HfG studierte, Schmuddelecken gar nicht aus, sondern rückt sie mit einer Vehemenz ins Bild, die verblüfft. Städtische „Angsträume“ der S-Bahn-Stationen verändern sich unter ihrer Hand zu üppigen Inszenierungen von Licht und Raum. Die öden Fensterfronten von Zweckbauten scheinen plötzlich wie beseelt, und die innerstädtischen Fluchten aus Treppen, Geländern und Beton in zarten Zeichnungen als vielgestaltige Variablen eines gewitzten Spiels mit der Form.

Ursula Zepter „Main-Town-Feeling“ noch bis 4. Juli im Haus der Stadtgeschichte. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

Natürlich darf die Frankfurter Skyline nicht fehlen, ebenso wenig wie Paulskirche, Dom und Römer. Doch wie mit einem Teleobjektiv lässt Zepter Symbole von Macht und Kultur, von Gegenwart und Geschichte zusammenrücken. Klar strukturiert in farbkräftigen Papier-Collagen, eher diffus und mit filmisch anmutender Überblendtechnik in großformatigen Digitalprints, die fast wie Nachtstücke anmuten. Die spannende Liaison von Moderne und Tradition vor tiefstblauem Himmel findet auch in Offenbacher Motiven ihre Entsprechung: „Wo ist Lily?“, fragt Zepter, die durch Eisen-Ornament und wucherndes Grün auf den Metzlerschen Badetempel, Bernardbau und die bescheidene Skyline blickt. Irgendwo qualmen Dreiecke aus dem Schornstein, röhrt ein Hirsch. Die Stadt ist quicklebendig – und Ursula Zepter ganz dicht an ihrem Puls.

Quelle: op-online.de

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