Pumuckls Bruder stampft auf

Stomp kommt laut und schrill: Vom 25. bis 30. August ist die Performance- und Percussion-Show in Frankfurt zu bestaunen.

Angus Little sieht aus wie der rockige, große Bruder von Pumuckl. Sein T-Shirt, viel zu heiß gewaschen, rutscht, wenn er lacht, so weit hoch, dass Bauchnabel und Bierbäuchlein ans Tageslicht kommen. Die Stacheln seines Igelschnitts stehen dank viel Gel perfekt. Er trägt Ohrringe und Tattoos. Jeder Morgen beginnt gleich: mit dem fiesestem Muskelkater, erzählt er und wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn.

Der 27-jährige Australier ist „Stomper“ (Stampfer) – und das sechsmal die Woche. An diesem Abend ist er Mozzie, der Clown. Die Rollenbesetzung wechselt fast täglich, damit es den Darstellern nicht langweilig wird in der 100-minütigen Performance- und Percussion-Show, in der auf allem - vom Mülleimer bis zum Spülbecken - nur nicht auf richtige Instrumente geklopft wird. Für die nächsten Wochen verlässt Angus Little seine Londoner Stammtruppe, um in der Frankfurter Alten Oper mit seinem Besen fest aufzustampfen.

Am Anfang von „Stomp“, 1991, tobten 30 Leute über die Bühne, heute gibt es vier Gruppen (in den USA und Europa) mit jeweils acht Darstellern. Vor sechs Jahren bewarb sich Angus Little bei einem offenen Stomp-Casting in London. Eigentlich wollte er Comedian werden, wie sein Vater. „Stomp macht mir aber so viel Spaß. Also habe ich beschlossen, so lange zu bleiben, bis meine Beine einfach abfallen“, sagt er und verzieht dann sein Gesicht zu einer lustigen Fratze.

Sein amerikanischer Kollege Andy Patrick (29) trägt ebenfalls Tattoos und Igel-Frisur. Er reparierte in seiner Vor-Stomp-Zeit Computer und spielte nebenbei in einer Bostoner Rockband Schlagzeug. „Als Stomper brauchst du verdammt viel Rhythmusgefühl und Humor“, sagt Andy Patrick. Die meisten Stomper sind Schlagzeuger oder Tänzer - und keiner ist älter als 30.

Weder Handlung noch Text hat die Show, deren Dauer-Schauplatz ein Schrottplatz ist: Erst kehrt ein Straßenarbeiter, dann wird aus dem Kehren ein Klopfen und die anderen sieben stimmen mit ihren Besen ein. Immer lauter hämmern sie mit den Stielen gegen den Boden.

Das sanfte Klappern mit den Streichholzschachteln, das synchrone Klicken der Feueranzünder, das laute Knistern von Zeitungspapier kommen beim Londoner Publikum besonders gut an. Angus, der Außenseiter und Clown, der extra immer etwas aus dem Takt ist, schreckt auch nicht davor zurück, mit dem Kulli gegen seine Zähne zu trommeln. Die Stomper steppen, gehen in die Knie, springen in die Grätsche und legen dazwischen Breakdance-Artistik ein. Sie benutzen sogar ihren eigenen Körper als Klanginstrument: Schlagen sich hörbar gegen die Brust oder machen eine Art Schuhplattlern. Zwischendrin gibt es Slapstick à la Dick und Doof: Angus alias Mozzie taucht mit einem dreimal so großen Wischmob oder einem zu kurz geratenen Gummischlauch auf. Gegen Ende hängen Taschentuch-Streifen in Überlänge aus seinen Ohren. Keine schlechte Idee, denn die Geräuschkulisse wird spätestens bei den Blechtonnen extrem laut und schrill – ein paar Zuschauer halten sich da ihre Hände schützend über die Ohren.

KATHRIN

ROSENDORFF

Stomp, Alte Oper, Frankfurt, vom 25. bis 30. August. Die Tickets kosten zwischen 27,60 und 70,20 Euro und sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Für Gäste im Alter bis einschließlich 16 Jahre gibt es eine Ermäßigung von 50 Prozent auf den regulären Kartenpreis. Kartentelefon unter z 069 1340400.

Quelle: op-online.de

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