Rätsel im Wunderland

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Fantasiegestalten: Das Ensemble der Dramatischen Bühne in der neuen Inszenierung.

„Und immer schön daran denken: Nicht aufwachen.“ Dieser gute Rat wird allen, die sich Alice angeschlossen haben, ihr Wunderland zu entdecken, an jeder Station mit auf den Weg gegeben. Von Astrid Biesemeier

Doch wie im Traum fühlt man sich bei „Alice im Wunderland“ mit der Dramatischen Bühne dann doch nicht – daran konnte auch die tolle Kulisse des Chinesischen Gartens am Bethmannpark, in dem die Premiere begann, nichts ändern.

Drei Alices führen drei Gruppen in kurzem Zeitabstand weg von einer abstrusen Geburtstagsparty und also hin zu Teegesellschaft, Grinsekatze, Goggelmoggel oder Königin. Die Alice der dritten Gruppe spielte die sich als etwas kindliche, neugierige, naseweise und unbekümmerte Göre gebende Birte Sieling im blauweißen Kleidchen, rotweißen Strümpfen, mit blonden Haaren und einem roten Haarband. Das Publikum muss Gegenstände suchen, rechnen und Denkaufgaben lösen.

Episoden und Figuren sind bei diesem, wie es im Untertitel heißt, „rätselvollen Theaterspaziergang durch Frankfurter Parks“ natürlich nicht so verwoben wie in der Vorlage von Lewis Carroll, sondern auf einzelne Stationen verteilt. Die Grinsekatze verbrät Themen wie George Clooneys Gewichtszunahme, und bei der Teegesellschaft probiert Alice all die schönen Versprechungen aus, die Abhilfe für so ziemlich jedes Problem versprechen.

Informationen und Termine: www.diedramatischebuehne.de

Die aktualisierten Rätsel, zeitgemäßen Paradoxien und Parodien sind zwar nicht alle gleichermaßen komisch oder zwingend, aber vielleicht noch im Sinne des Alice-Erfinders Lewis Carroll. Denn schließlich geht es ja im Traum und bei „Alice im Wunderland“ um Verarbeitung gelebten Lebens. Der Logik des Traums aber könnte man sicher mittels einer Bühnenillusion leichter folgen, als wenn eine etwa 40-köpfige Gruppe durch einen Park geschleust wird. So mag man denn dieses kleine Park-Theater (Text und Regie: Thorsten Morawietz), bei dem manches Mal geheimnisvoll chorisch gewispert wird und bei dem einem durchaus ein paar schöne sprachliche Absurditäten aus der Dunkelheit entgegenschallen, nicht an den vollmundigen Ankündigungen eines „Zauberdramas“ messen. Als „rätselvollen Theaterspaziergang“ durch Parks hingegen kann man es durchaus gelten lassen – Wachbleiben garantiert. Die Dramatische Bühne zeigt ihren Theaterspaziergang mit dem Klassiker „Alice im Wunderland“ noch mehrmals als Erwachsenen- und Kinderversion in Bethmannpark, Günthersburgpark, Grüneburgpark und Palmengarten. ASTRID BIESEMEIER

Quelle: op-online.de

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