Räumliche Meditation

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Zarte Farbnuancen erzeugen neue Variationen.

„Das darf nicht mal mein Mann sehen“, wehrt Petra Mühl Kauffmann genauere Fragen zum Herstellungsprozess ihrer magisch hinterleuchteten Objekte ab, in zwölf „Rosenwachsquadraten“ zu je zehn Zentimeter Kantenlänge über einer Leuchtleiste aufgereiht. Von Reinhold Gries

Diese ist vom Offenbacher Designer Daniel Zerlang-Rösch nach Kaufmanns Entwürfen realisiert. Es ist spürbar, die in verdunkeltem Raum an Drahtseilen schwebende Installation hat ihr eigenes Geheimnis. Vergehende Knospen und abgefallene Blütenblätter meist gelber Rosen sind in mehreren Schichten in transparentes Kerzenwachs fast in der Art fossiler Bernsteineinschlüsse eingegossen. Der vielschichtige Wechsel von Schärfeabstufungen öffnet Räume. Das Registrieren von Farbnuancen und „Aggregatzuständen“ des Verwelkens gerät vollends zur Meditation, wenn dazu auf Lanzarote produzierte sphärisch-elektronische Gitarrenklänge Samuel Aguilars erklingen.

Leidenschaftliches Rosenrot allerdings vermeidet die zwischen Frankfurt und Mallorca pendelnde Künstlerin, die sieben Jahre an der Offenbacher HfG studierte und seit 17 Jahren die hr-Hessenschau (foto-)grafisch ausstattet. Kauffmann bevorzugt eher transparent zartes Gelb, organische Ocker- und Brauntöne und bis zur Schwärze komprimiertes Dunkelrot.

„Rosenkosmos – Petra Mühl Kauffmann“ bis 6. März im Offenbacher BOK-Salon 13, Kaiserstr. 13. Geöffnet: Mittwoch und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

In Serien auf Alu-Dibond und Leinwand aufgetragener, analoger Fotos werden solche Eindrücke zu großformatigem Spiel mit Bildelementen, bei der Farbveränderungen bis zum entmaterialisierten „Rosenblau“ gehen. Nach dem Prinzip des gelenkten Zufalls holt Kauffmann aus dem „Rosenkosmos“ meist quadratischer Foto-Arbeiten und Black-Box-Kästen immer neue, sensibel ausgelotete Variationen heraus. Kein Zufall, hat sie doch auch eine Ausbildung in oft serieller Neuer Musik hinter sich.

Namen für unterschiedliche Anmutungen

Den unterschiedlichen Anmutungen ihrer Tableaus gibt Kauffmann Namen: „Barock“ dem wuchtig Verspielten, „Blutknospe“ dem Tiefdunklen, „Schmetterlinge“ dem gelblich Zarten, „Wüstensonne“ dem blendend Hellen. In spanischen Urtiteln wirkt das poetischer: Allegria (Freude), Nostalgia, Arisco (Unbändig), Tormenta (Sturm), Amarillo (Gelb). Neben Gestaltungsfreude und Bewunderung für die Königin der Blumen schimmert Nachdenklichkeit hindurch.

Auch Melancholie ist zwischen brillanten „Sommerblättern“, warmen „Herbstkontrasten“ und „Schwarzem Traumbild“ fein in Szene gesetzt – oder artifiziell weiterentwickelt wie beim „Magischen Auge“. Freilich hätte man Petra Mühl Kauffmanns fotografisch dokumentierte 70-teilige Installation „Rosentisch“ gern im Original gesehen, dann wären „Visión“ und „Contrastes de otono“ opulenter zur Geltung gekommen.

Quelle: op-online.de

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