Rausch der Farben

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Hypnotisch: „Arabesque“

In schnelllebigen Zeiten sind solche Jubiläen rar geworden: Zwanzig Jahre währt die Verbindung von Oliver Raszewski, dem an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ausgebildeten Künstler, und Thomas Hühsam, dem von Frankfurt nach Offenbach gezogenen und dort seit langem erfolgreich arbeitenden Galeristen.  Von Carsten Müller

Anlass für beide, ab heute in einer Ausstellung mit dem Titel „yubileee – abstract works 2010“ neue Früchte der Zusammenarbeit an der Frankfurter Straße 61 zu präsentieren.Oliver Raszewskis computergenerierte Malerei besitzt Ausnahmestellung. Die Bearbeitung von Bildpunkten, Oberflächen und Farben hat der aus Berlin stammende Künstler so perfektioniert, dass eine Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Welt überflüssig erscheint.

Nach intensiver Beschäftigung mit virtuellen Räumen und Architekturen, wie man sie beispielsweise in Computerspielen findet, lotet Raszewski in seinen neuen, teils großformatigen Digitalprints das weite Feld der Abstraktion aus, zitiert mit höchster Akribie Strömungen der nichtgegenständlichen Kunst.

Gegenüberstellung: Raszewskis „United“ und „Flags“ adeln Hoheitszeichen zur Kunst.

Besonders deutlich wird dies bei einem Kleinformat mit dem Titel „Sotheby’s“, das die berühmten Leinwand-Schnitte eines Lucio Fontana täuschend echt wiedergibt. Man muss sich dem Bildträger bis auf Nasenlänge nähern, um zu erkennen, dass es sich um eine perfekte Nachbildung handelt. Assoziationen an amerikanische Drip Paintings wecken Arbeiten („Wave“ und „Frequency“), die mit mikroskopischem Blick in Sphären eintauchen, in denen Lichtwellen und Moleküle vor tiefschwarzem Hintergrund ihre Bahnen ziehen. Kristalline Strukturen sind andernorts („Cristalline“) bis in feinste Verästelungen farbkräftig ausgearbeitet. Raszewski überschreitet die Grenze zwischen Pixel und Pigment, sicher auch eine Herausforderung für versierte Digital-Drucker.

Oliver Raszewski, „yubileee – abstract works 2010“, bis 4. Juli in der Galerie Hühsam, Frankfurter Str. 61, Offenbach.

Geöffnet: Montag bis Freitag von 15 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 069-810044.

Eröffnung: Samstagabend um 19 Uhr.

An Op Art gemahnen nicht nur einige Kleinformate, die gekonnt das Zusammenspiel von Auge und Gehirn sabotieren, wie die zwischen roten Quadraten aufblitzenden grauen Punkte in der Arbeit „Dots“. Auch größere Werke zeigen frappierende Wirkungen, wie man sie bei digital erzeugten Bildern nicht erwarten würde. Einen furiosen Farbnebel entfacht Ra szewski in „Fog“. Zwei Großformate zerlegen die Farbräume L*a*b und RGB in oszillierende Spektren, die ständiger Veränderung unterworfen sind und geradezu hypnotisch wirken.

Aus der abstrakten Reihe tanzen zwei extreme Querformate, die politische Symbolik in Form von Ansteck-Buttons aufreiht. „Flags“ zeigt 208 Fahnen von Nationen, darunter auch nicht offiziell anerkannte wie Bergkarabach. „United“ interpretiert das Logo der Vereinten Nationen mit kritischem Blick hinter politische Kulissen. Das lässt sich Oliver Raszewski dann doch nicht nehmen.  

Quelle: op-online.de

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