Reese geht in die Offensive

Frankfurt - „Sie sehen einen ziemlich glücklichen Intendanten vor sich.“ Intendant Oliver Reese fühlt sich mit dem neuen Schauspiel Frankfurt in der Stadt gut aufgenommen. „Das übertrifft unsere Erwartungen“, sagte Reese anlässlich der Vorstellung seiner Pläne für die Saison 2010/11 mit mehr als 30 Eigenproduktionen, darunter acht Ur- und Erstaufführungen. Von Carsten Müller

„Offensiv“ soll nun mit der deutschen Klassik umgegangen, dabei keine Nacherzählungen geliefert werden. Liegt das Gute doch so nahe, namentlich die Goethe-Festwoche, zu der das Schauspiel drei Inszenierungen beisteuert: „Wilhelm Meister“ als theatralische Sendung des für abstrakte Formen bekannten Regisseurs Ulrich Rasche, „Clavigo“ in der Lesart der jungen Regisseurin Alice Buddenberg. Eine eigene Fassung des Briefromans bringt Isaak Dentler mit „Werthers Leiden“ auf die Bühne, später folgt „Stella“ in der Regie von Andreas Kriegenburg. Den Reigen setzen Jorinde Dröses Blick auf Lessings „Minna von Barnhelm“, Michael Thalheimers Deutung von Schillers „Maria Stuart“ sowie Kevin Rittbergers Inszenierung der Kleistschen „Marquise von O“ fort.

Trotz verkürzter Spielzeit bilanziert man am Ende der Spielzeit 2009/10 Zuwächse: 22 Prozent mehr Besucher, 50 Prozent mehr Einnahmen, 33 Prozent mehr Abonnements. 190 von 420 Vorstellungen seien ausverkauft gewesen, die Auslastung habe 80,5 Prozent erreicht. Das macht sicher nicht nur den Intendanten glücklich.

Hochkarätige Uraufführungen dürften überregionale Aufmerksamkeit sichern. Hausregisseurin Bettina Bruinier setzt Rainer Werner Fassbinders Drehbuch „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ um, Christoph Mehler inszeniert ein neues Drama von Roland Schimmelpfennig. Der viel gefragte René Pollesch, den Reese ans Frankfurter Schauspiel gebunden hat, darf im Großen Haus sein Stück „Sozialistische Schauspieler sind schwerer von der Idee eines Autors zu überzeugen“ in Szene setzen. Die Uraufführung von Nis-Momme Stockmanns Text „Die Ängstlichen und die Brutalen“ übernimmt Martin Kloepfer. Als deutsche Erstaufführung inszeniert Reese das Arbeitslosendrama „Die Frau, die gegen Türen rannte“ von Roddy Doyle. Für treue Theaterbesucher gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Günter Krämer kehrt mit Shakespeares „König Lear“ zurück, Amelie Niermeyer, unter Peter Eschberg Hausregisseurin, nimmt sich George Taboris „Mein Kampf“ an, Stephan Kimmig der „Liebelei“ von Arthur Schnitzler. Bettina Bruinier wiederum inszeniert Arthur Millers „Katze auf dem heißen Blechdach“, Oliver Reese Michael Frayns Komödie „Der nackte Wahnsinn“. Der Nachwuchs erhält mit Millers „Ein Blick von der Brücke“ (Florian Fiedler), Cocteaus „Orphée“ (Michael Simon) sowie Dukovskis „Say Yes To“ (Marc Lunghuß) ein Podium. Vier Inszenierungen für Kinder und Jugendliche sind außerdem geplant, darunter Dennis Kellys „DNA“ in der Regie von Robert Schuster, einst am TAT.

Quelle: op-online.de

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