Rizzi-Uraufführung

Reflexion des Daseins als Künstler

Tanz ist, ganz ohne Frage, ein Gebrauch des Körpers. Man kann natürlich auch eine ganze Menge anderer Dinge mit ihm anstellen. Ihn verstecken, ihn verkaufen, ihn befreien. Ihn einer medizinischen Behandlung unterziehen. Ihn Sachen tun lassen, die er nicht mag. Von Stefan Michalzik

In der ersten Hälfte des neuen Stücks „Monkey on the table“ deklinieren Antony Rizzi und sein Ensemble der Möglichkeiten schier ohne Ende durch und stellen eine jede in einer pointierten Weise dar.

Das im Frankfurter Mousonturm herausgekommene Stück beginnt schon im Foyer. Dort hat der einst zu William Forsythes Ballett gehörende Choreograf, Fotograf und Tänzer eine Auswahl seiner aus Polaroids collagierten Bilder ausgestellt. Die Brüche der Achsen, mit denen er häufig arbeitet, mag man als formale Analogie zur Forsythe-Technik sehen, auf die sich Rizzis Tanzvokabular unmittelbar bezieht.

Auch im Theatersaal sieht sich das Publikum zunächst aufgefordert, sich wie bei einer Vernissage um den Künstler und sein Objekt herum zu gruppieren. Das Objekt, auf einem Podest zur Schau gestellt, ist ein Schinken. Das fertig glänzende Prachtexemplar ist schon vertraut: „Monkey on the table“ ist eine Weiterentwicklung des Stücks „Tiny Bits of Bacon“ vom September 2008. Bacon meint nicht nur den Schinken, es geht auch um die Figur des englischen Malers Francis Bacon.

Von der eigenen Persönlichkeit ausgehend, entwickelt Rizzi eine Reflexion über das Künstlerdasein. Ein gedoppelter Bacon, Rizzi selbst und Eric Lenke, tritt in Erscheinung. Nach der Pause wird ein argloses Pärchen, Inma Rubio Tomas und Norbert Pape, ins Atelier eingeführt. In ihrem surrealistischen Gehalt erinnern die Sequenzen an die Malerei Bacons. „Monkey on the table“ ist lustig – und viel mehr als das. Das Stück steckt voller Verweise, bricht unter ihnen aber nicht zusammen. Ein chaotisch-genialer Großwurf, der improvisatorische Wurzeln erkennen lässt, doch streng durchgearbeitet ist.

Quelle: op-online.de

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