Regisseur Ronny Jakubaschk

Land unter am Staatstheater

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Rossini-Revue im Reich des Kraken: Till Toth, Stefan Keylwerth, Alexandra Samouilidou, Georg Lickleder, Peter Felix Bauer auf der Mainzer Bühne.

Mainz - Gioachino Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ spielt unter Wasser: Darauf muss man erst einmal kommen. Regisseur Ronny Jakubaschk hatte sie im vergangenen Jahr, als er das Stück am Staatstheater Oldenburg herausbrachte. Von Axel Zibulski 

Aus dem Norden hat Markus Müller, zu Saisonbeginn als Intendant ans Staatstheater Mainz gewechselt, die Inszenierung mitgebracht. Bei der Übernahme-Premiere ging auch im übertragenen Sinne ziemlich viel von Rossinis Dauerbrenner unter, szenisch wie musikalisch. Da springt Tenor Ziad Nehme alias „Lindoro“ alias Graf Almaviva während der Ouvertüre in der ersten Parkettreihe auf. Weil er die schöne Rosina auf der Bühne des Großen Hauses sieht, wo er sogleich eintaucht ins Bühnenbild, das Ausstatter Matthias Koch als Unterwasserwelt angelegt hat. Es ist das Reich des Doktor Bartolo, Rosinas Ziehvater, der als Krake genussvoll an seinen Tentakeln saugt und überhaupt das Geschehen dominiert.

Der „Barbier von Sevilla“ wird in Jakubaschks Regie zur Rossini-Revue ohne stringent erzählte Handlung, mit bunten Bildern, aber ohne szenische Bindungskraft, mit lauen Gags und flachen Pointen. Der Barbier, der vermeintliche Alleswisser im Unterwasser-Sevilla, spielt Gitarre und hängt wie Tarzan an einer Liane, Graf Almaviva und Rosina schieben sich abwechselnd eine Weltkugel zu, überhaupt passt Almaviva sich immer mehr der Wasserwelt im Schildkröten-Look an. Das ist alles bildstark anzuschauen, aber letztlich auch viel zu aufwendig, um damit die Macht Bartolos (Peter Felix Bauer) über sein Mündel Rosina wie über das ganze Opern-Personal zu markieren. Auch wenn sich ausgerechnet Rosina als einzige am Ende aus diesem Aquarium befreit – ein markanter, aber letztlich nicht einmal plausibel vorbereiteter Einfall.

Kapellmeister Paul-Johannes Kirschner

Dass unter den neun Solisten ein Mitglied des Mainzer Jungen Ensembles als vokal stärkste Figur auftritt, gibt ebenso Hoffnung wie zu denken: Alexandra Samouilidou legt als Haushälterin Berta mit ihrer feinsilbrigen, enorm agilen Arie die Messlatte für alle anderen hoch. Brett Carter als Figaro, kürzlich vom Staatstheater Wiesbaden über den Rhein ins Mainzer Ensemble gewechselt, kann als Figaro das Tempo oft nur szenisch, nicht vokal halten, Ziad Nehme als Graf Almaviva intoniert anfangs erschreckend ungenau. Geneviève King bietet als Rosina einen prächtigen Mezzosopran mit opulenten Koloraturen und verspricht lange jene Autorität, den erst ihr später Ausstieg aus dem Bartolo-Reich beglaubigt.

Bei all dem fährt Kapellmeister Paul-Johannes Kirschner Rossinis Witz, Schliff und Eleganz gegen die Wand. Denn das Philharmonische Staatsorchester spielt oft zu laut und zu schnell, wirkt rücksichtslos gegenüber den Sängern und geht mit dem ganz breiten Einheitspinsel durch die Partitur.

Nach einem versungenen „König Arthur“ von Henry Purcell und einer oberlehrerhaften Inszenierung von Karl Amadeus Hartmanns Anti-Kriegs-Oper „Simplicius Simplicissimus“ gibt der jüngste Mainzer Opern-Flop allmählich Anlass zur Sorge, ob man dort den richtigen Intendanten berufen hat.

Nächste Vorstellungen am 5. und 23. November sowie am 17., 25., 27. und 30. Dezember.

Quelle: op-online.de

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