Von Reisen beeinflusst

Frankfurt - Sehnsucht nach dem Süden trieb den vor 200 Jahren geborenen Frankfurter Landschaftsmaler Carl Morgenstern (1811-1893) nach Bella Italia. Einer thüringisch-mainischen Malerdynastie entstammend, tat er es wie der Frankfurt-Weimarer Dichterfürst und viele Romantiker. Von Reinhold Gries

Nach früher Ausbildung beim Vater in Frankfurt und Lehrzeit in München verbrachte er drei Jahre in Rom, um von dort Albaner und Sabiner Berge, Tivoli und Ariccia, Neapel und Amalfi, Pompeji und Capri zu bereisen. Wegen der Choleragefahr ging es mit den Kollegen von Sizilien über Florenz, Venedig und Verona nach Hause. 1841 brach Morgenstern zu sechsmonatiger Küstenfahrt an die Riviera auf, 1846 nach Venedig, 1849 und 1851 ins Schweizer Hochgebirge. Von den Eindrücken, auch von Rheinreisen und kurzen Frankreichvisiten, zehrte er – das zeigt die erste umfassende Schau im Frankfurter Museum Giersch – bis an sein Lebensende.

„Carl Morgenstern und die Landschaftsmalerei seiner Zeit“, von Sonntag an bis 29. Januar 2012 im Museum Giersch, Schaumainkai 83, Frankfurt: Dienstag bis Donnerstag 12 bis 19, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Arkadische Sujets – Wasserfälle bei Tivoli, Albaner See mit Castel Gandolfo, venezianischer Canal Grande, Sonnenaufgang über Capri oder Meeresbucht von Terracina – befriedigten künstlerische, touristische und Bildungsbedürfnisse. Vor Ort skizzierend, aquarellierend oder mit Öl malend, holte er im römischen oder Frankfurter Atelier zu Großkompositionen aus, nach denen international Nachfrage bestand. Auch nach Veduten zum alten Frankfurt oder zum Taunus. Morgenstern entwickelte sich vom niederländisch beeinflusstem Frühwerk zum Meister des Lichts und harmonisch komponierter Landschaft. Deutsche Motive führen von dramatischen bis idyllischen Szenen im Nahetal über Rheinpanoramen bis zu oberbayrischen Landschaften bei Schlehdorf und Berchtesgaden. Opulente Königssee- und Spitzing-Alm-Blätter im Skizzenbuch verraten hervorragende Vorbereitung.

In Italien steigert sich das, beruhend auf exzellenten Bleistiftskizzen, aufgehelltem Kolorit und vor-impressionistischem Licht. In „Das Colosseum in Rom“, „Italienische Ideallandschaft mit Hirten“, „Ansicht von Tivoli“ oder „Blick auf das Kapuzinerkloster bei Amalfi“ sticht er die Konkurrenz aus. Abgesehen von Landschaftsmalern wie Carl Blechen, Ernst Fries und Johann Heinrich Schilbach, mit Zeitgenossen wie Johann Georg von Dillis, Friedrich Nerly, Ernst Willis und Johann Heinrich Hasselhorst bei Giersch ausgestellt. An Ölgemälden wie „Fischerboot mit Netzen auf Capri“, der einer Fata Morgana ähnelnden Skizze „Capri morgens“ oder dem tonigen „Das antike Theater bei Taormina“ ist zu erkennen, wie sich Morgenstern freimalt. Davon profitieren herrliche Ansichten zu Venedig, ein Alpenpanorama und eine visionäre Hochgebirgslandschaft.

Nach dem Gemälde zum Frankfurter Dombrand von 1867 malt Morgenstern Motive halbfertig auf Vorrat, um sie den Wünschen der Kundschaft anzupassen. Süßliches Kolorit schwelgt in pseudoromantischem Weichzeichner und konturloser Erinnerung. Nur frische Aquarelle zu Königstein und Kronberg verraten die frühere Originalität.

Quelle: op-online.de

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