Restkarten

Er hockt meist am Rande des Parkplatzes auf dem Grünen Hügel. In leicht abgerissenem Freizeitdress und mit einem Schild um den Hals, auf dem „Karten gesucht“ steht. In der Pause des „Tristan“ sah man den skandinavisch anmutenden Zeitgenossen im feinen Zwirn. Von Klaus Ackermann

Offenbar hatte es geklappt mit dem Ticket. Und das ist kein Wunder in dieser Festspielsaison. „Der Mythos Bayreuth hat Kratzer“, textete die Zeitung Nordbayerischer Kurier. Selbst in der Premierenwoche war es noch leicht, an Karten zu kommen: Vor der „Tristan“-Wiederaufnahme bot ein Schwarzhändler sie sogar zum Originalpreis an. Kein Grund zur Panik freilich. Denn von den 323 000 Bestellungen weltweit erhielt nur jeder sechste ein Billet. Und in der Festival-Kommandozentrale hat man auch gleich Gründe für diese völlig neue Situation. Das Bildungsbürgertum – die Kientel schlechthin auf dem Opern-Hügel – sei am Schrumpfen. Zudem gebe es eine gewisse Wagner-Sättigung durch das große Angebot an anderen Bühnen. Dass auch so mancher Inszenierungs-Flop dazu beigetragen haben könnte, weist man natürlich entschieden zurück. „Die Skandale von heute sind das Entrée von morgen“, gibt man sich wagnerianisch wetterfest. Da ist sogar etwas dran!.

Quelle: op-online.de

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