Reverenz an Günter Kunert im Bücherturm

Offenbach - Eigentlich wollte Günter Kunert sogar selbst kommen. Doch die Gesundheit des 83-Jährigen ließ es nicht zu. In dem Journalisten Franz Josef Goertz und der Schauspielerin Gergana Muskalla fand der Autor indes würdige Sachwalter. Von Markus Terharn

Rotary-Club Offenbach-Dreieich, Stadtbibliothek und Steinmetz’sche Buchhandlung bescherten dem vielköpfigen Publikum einen interessanten Abend im Bücherturm. Dem Hörgenuss kam zugute, dass Muskalla im Vortrag deutlicher artikulierte und abwechslungsreicher modulierte, als dies den meisten Schriftstellern gelingt. Die markante Kurzlyrik Kunerts prägte sich unmittelbar ein, angefangen mit jenem vielzitierten Gedicht, das sich zum Auswendiglernen geradezu anbot: „Als der Mensch unter den Trümmern seines bombardierten Hauses hervorgezogen wurde, schüttelte er sich und sagte: Nie wieder. Jedenfalls nicht gleich.“

Biografische Stationen des in Berlin als Sohn einer Jüdin geborenen, in der DDR bekannt und in der Bundesrepublik heimisch gewordenen Meistererzählers und -poeten lieferte Goertz. Fast kamen Kunerts Texte darüber etwas zu kurz. Zwei hinterließen aber besonders nachhaltige Eindrücke.

Da war zum einen die bewegende Erinnerung an jüdische Bekannte, die in den 40er Jahren aus Berlin deportiert wurden. Und zum anderen eine Anekdote, die Kunerts – von Goertz hervorgehobene – komische Seite zeigte. Wie Groß-Gourmet Günter Grass darauf bestand, für ein Treffen schreibender Kollegen aus Ost- und Westdeutschland eine Kuttelsuppe zu kochen, war so eklig wie vergnüglich!

Quelle: op-online.de

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