Stomp ist wieder da

Rhythmisches Potenzial des Kehrens

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Stomp gastiert noch bis zum 30. August in der Alten Oper Frankfurt.

Stomp ist wieder da. Zum werweißwievielten Mal. Und wieder ist der Saal zur Gastspielpremiere in der Frankfurter Alten Oper prächtig gefüllt. Natürlich werben die Veranstalter erneut mit einer überarbeiteten Fassung; die Fans wollen schließlich bei der Stange gehalten werden. Von Stefan Michalzik

Die Show ist ungeachtet einiger Neuerungen sehr gut wiederzuerkennen. Ein mit Irokesenzacken, Piercing und raumgreifenden Tätowierungen dekorierter Mann kommt mit einem Besen auf die Bühne und entdeckt das rhythmische Potenzial des Kehrens. Ein missmutiger Kamerad gesellt sich dazu und nach und nach ein ganzes Trüppchen von sechs Männern sowie zwei Frauen.

Wie Straßenkehrer wirken sie alle nicht. Aber Stomp ist schließlich so etwas wie ein Musical ohne Worte, ohne Handlung und ohne Band: Ein munteres Ensemble cooler Typen trommelt nicht ganz anderthalb Stunden lang auf Gegenständen. Charaktere gibt es nur in Andeutungen. Der Irokese ist der Showmann, der Griesgram, der komische Trottel. Dieser ewige Verlierer ist der heimliche Gewinner. Das ist die tröstliche Botschaft, mit der jedes Massenpublikum glücklich zu machen ist.

Zwei Jahrzehnte währt die Erfolgsgeschichte einer mit verschiedenen Ensembles die Welt bereisenden Produktion. Einen Neuigkeitswert vermochte Stomp nie für sich zu beanspruchen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Trinidad unter dem Verbot afrikanischer Trommeln Ölfässer als Instrumente entdeckt. Die Avantgarden des 20. Jahrhunderts von Edgar Varese bis John Cage taten ein Übriges für die Emanzipation des Alltags in der Musik. Die Geschichte ging weiter mit Jazzschlagwerkern und den Einstürzenden Neubauten. Unmittelbarstes Vorbild für Stomp dürfte das Perkussionsensemble Les Tambours de Bronx gewesen sein, ein Trupp von Pariser Vorstadtjugendlichen.

Stomp gastiert noch bis Sonntag, 30. August, in der Alten Oper Frankfurt.

Im Bühnenbild spiegelt Stomp noch Reste der Ghettoästhetik. Freilich geht es um die bravste Form von Unterhaltung, hübsch artig garniert mit Artistik, Slapstick und Jonglage. Die Perkussion in den sich lose reihenden Szenen ist von vornherein visuell angelegt, die reine Tonspur würde nur in den seltensten Fällen – etwa einer Nummer mit gestimmten Plastikröhrchen – für sich bestehen können. Sonst stellt sich rasch ein Eindruck von Leerlauf ein. Feilen an der musikalischen Substanz wäre eine dankbare Aufgabe für Überarbeitungen.

Quelle: op-online.de

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