Mehr als 1500 Kilometer auf dem Traktorsitz

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Mit Konfetti und blinkende Blaulichter wurde der weitgereiste Traktorfahrer begrüßt.

Nieder-Roden (eh) - Seine Abenteuerreise auf dem Traktor hat Sebastian Spahn gut hinter sich gebracht. 1 500 Kilometer hat er zurückgelegt, unterwegs feierte er seinen 26. Geburtstag.

Mit Konfetti-Kanone und geschwenkter Deutschlandfahne wurde er am Donnerstagabend daheim in Nieder-Roden empfangen. Freunde und Verwandte fielen ihm um den Hals, dann endlich durfte auch Mutter Marianne Spahn ihren Jüngsten in die Arme schließen. Sie hatte „alle Tage ein Stoßgebet in den Himmel geschickt“, damit dem „Bub“ nur ja nix passiert.

Aber was sollte da schon schief gehen, wenn unterwegs freundliche Bäuerinnen warten? Ortslandwirtin Beate Mahr aus Dudenhofen hatte dem jungen Mann das erste Übernachtungsquartier besorgt. Im Internetforum „Bäuerinnentreff“ hatte sie einfach gefragt, „wer dem Wahnsinnigen entlang der B 8 in Bayern einen Stellplatz zum Übernachten anbieten kann“. Angebote ließen nicht lange auf sich warten.

„Alle waren total hilfsbereit und nett und freundlich“, berichtet Sebastian Spahn. Auf dem ersten Bauernhof gab ihm die Oma zusätzlichen Proviant mit. An der zweiten Station gab es ein Super-Frühstück. Auch auf der Rückfahrt hatte der Traktorfahrer Glück. In Engelhartszell im Innviertel konnte er abends in der Donau schwimmen, die nächste Nacht verbrachte er in Bayern an einem unscheinbaren Golfplatz: „Egal wo ich war, jeder hat gesagt: Du kannst gern wieder kommen.“

Fast wie im Triumphzug wurde Spahn in Nieder-Roden empfangen. Ein erstes Empfangskomitee passte den Traktorfahrer bei Babenhausen ab. Am Feuerwehrhaus Mitte blinkten alle Blaulichter zum Zwischenstopp.

Eine Woche zuvor hatte auch die Feuerwehr der österreichischen Partnerstadt Hainburg für den jungen Mann einen „großen Bahnhof“ vorbereitet. Doch in den letzten eineinhalb Stunden fuhren die Hainburger und der Nieder-Röder drei Mal aneinander vorbei. „Mein Navi hat mich immer an den anderen vorbeigeleitet“, erzählt Sebastian Spahn lachend. Sie trafen sich erst an der Donaubrücke, kurz vor dem Ziel. Mit einem feuerrot lackierten Ami-Jeep der Marke Dodge, einem Oldtimer von 1943, eskortierte die Feuerwehr ihren Gast durch das Wiener Tor in die mittelalterliche Altstadt. Auch die nächste Panne nahmen die Beteiligten mit Humor: „Sie haben die La-Ola-Welle geprobt, aber ich bin dort gar nicht vorbeigekommen“, so Spahn.

Für den jungen Feuerwehrmann aus Nieder-Roden war es Ehrensache, beim Florianifest der Hainburger Kameraden mitzuhelfen. Im Festzug bildete Sebastian Spahn das Schlusslicht: Erst die historischen Feuerwehrautos, dann der Traktor (Baujahr 1980) mit der selbst gezimmerten Holzhütte auf dem Anhänger. Nun ist der Schreinergeselle zum Helferabend eingeladen. Dankbar blickt er auf die Unterstützung seiner Freunde, Verwandten und Bekannten zurück: „Manche haben tagtäglich angerufen um zu fragen, wie’s mir geht.“

Einmal Hainburg und zurück: Bei 25 km/h Höchstgeschwindigkeit hatte Sebastian Spahn viel Zeit, die Landschaft zu genießen. Auf der Hinfahrt legte er die 750 Kilometer in dreieinhalb Tagen zurück, für die Rückfahrt brauchte er nur drei Tage. Ganz billig ist aber auch diese Art des Reisens nicht. Jeden Tag schluckte der Schlepper rund 70 Liter Diesel. Und nach 1 500 Kilometern war ein Satz Reifen abgefahren.

Quelle: op-online.de

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