Online-Premiere mit mehr als 2500 registrierten Nutzern

50.000 Chat-Nachrichten auf der Bildungsmesse Rodgau

Für die Messeleitung am virtuellen Infostand: Gerrit Kratz (sitzend) vom kommunalen Bildungsmanagement der Stadt Rodgau mit dem neuen Personalchef der Stadtverwaltung, Jürgen Stemmler.
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Für die Messeleitung am virtuellen Infostand: Gerrit Kratz (sitzend) vom kommunalen Bildungsmanagement der Stadt Rodgau mit dem neuen Personalchef der Stadtverwaltung, Jürgen Stemmler.

Die Online-Premiere hat geklappt: Mehr als 2000 Schüler besuchten am Samstag die Rodgauer Bildungsmesse, die erstmals im Internet stattfand.

Rodgau - „Ich will jetzt nicht in Superlativen sprechen, aber wir sind sehr zufrieden“, sagte Gerrit Kratz vom städtischen Bildungsmanagement nach den ersten drei Stunden. Mehr als 50.000 Chat-Nachrichten wurden verschickt. Die Zahl der Video-Gespräche war vierstellig.

Rodgauer Bildungsmesse lockt Besucher von Hofheim bis Aschaffenburg

Mehr als 2500 Leute hatten sich für die Online-Plattform registriert. Wenn man die 90 Aussteller und die Lehrkräfte abzieht, kommt man auf etwa 2300 Besucher, darunter auch Schüler aus Langen, Offenbach, Aschaffenburg oder Hofheim am Taunus.

Wie weit der Einzugsbereich der Rodgauer Bildungsmesse reicht, lässt sich anhand der Anmeldedaten erstmals genau sagen. Zusätzlich liefert das System statistische Daten, mit denen die Veranstalter den Verlauf der Messe analysieren können.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so reibungslos läuft“, sagte Bildungsberaterin Jana Maria Kühnl von der Industrie- und Handelskammer Offenbach. Sie berichtet von positiven Rückmeldungen aus den Schulen. Die Reaktionen der Aussteller waren unterschiedlich: Manche waren begeistert, andere hätten sich mehr Kontakte und intensivere Gespräche erhofft. „Aber das haben wir bei der Präsenzmesse auch“, so Kühnl.

Im Chat fragen die Schüler auch nach dem Verdienst

„Es war unglaublich früh viel los“, berichtete Daniel Ganz, Ausbildungsleiter der Assion KG (Jügesheim): „Das zeigt, dass die Jugendlichen wirklich Lust darauf haben, etwas zu finden.“ Seine Beobachtung: Im Online-Chat fragen die Schüler auch, wie viel Geld sie in und nach der Ausbildung verdienen – ein Thema, das bei der Präsenzmesse selten angesprochen wird.

„Unsere zwei Azubis sind fleißig am Schreiben“, schilderte Thomas Hofferberth, Ausbildungsleiter der Friedrich Henkel Feinmechanik KG. Das Weiskircher Unternehmen hat die Ausbildungsplätze für dieses Jahr bereits besetzt. Da die Schulpraktika ausfallen, können Jugendliche in den Ferien ein Praktikum absolvieren.

Begeistert äußerte sich Walter Kolb von den Rodgauer Baustoffwerken. „Wir hatten schon 120 bis 130 Chats“, berichtete er gegen 14 Uhr. Daraus habe sich etwa ein Dutzend ernsthafter Interessenten ergeben.

„Die jungen Leute bleiben lieber im Schreibmodus“

Mit neun Personen hatte das evangelische Dekanat Dreieich-Rodgau einen der am besten besetzten virtuellen Messestände. „Ich hatte gedacht, wir hätten viel mehr Videocalls, aber die jungen Leute bleiben doch lieber im Schreibmodus“, bedauerte Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich. Eine individuelle Beratung sei in kurzen Textnachrichten kaum möglich.

Von einer guten Resonanz berichtete Nina Bender vom Oberlandesgericht Frankfurt. „An einem normalen Messetag hätten wir schon mehr Gespräche gehabt. Da wären wir aber auch mit drei oder vier Beratern am Stand gewesen. Für einen Onlinetag sind 30 Gespräche wunderbar.“

Technisch lief die Plattform stabil. Die wenigen Hilferufe bei der Messeleitung beschränkten sich auf banale Fragen wie vergessene Passwörter oder die Auswahldes Internet-Browsers. Manche Videogespräche endeten allerdings in einer Echoschleife, wenn ein Teilnehmer wie von Geisterhand doppelt angezeigt wurde.

Auch Schüler machten unterschiedliche Erfahrungen. „Ich fand es besser als sonst, weil man mehr Übersicht hatte. Außerdem sind die Chats gespeichert, sodass man sie nachlesen kann“, lobte ein Zehntklässler der Heinrich-Böll-Schule. Eine Mitschülerin der Klasse 10 b vermisste die Gelegenheit, auf der Messe anderen zu begegnen und erste Erlebnisse auszutauschen: „Die meisten Schüler sind nur kurz in den Chat gegangen und waren dann wieder weg.“

Auch nach dem Ende der Bildungsmesse bleiben die virtuellen Messestände noch eine Zeit lang stehen. Die Online-Plattform ist mindestens bis Mitte März erreichbar.

Von Ekkehard Wolf

Ihre Erfahrungen auf der Online-Messe arbeiten die Schülerinnen und Schüler im Unterricht nach, wie hier ein Teil der Klasse 10 b der Heinrich-Böll-Schule.

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