8 600 Jugendliche leben in Armut

Rodgau - (bp) Das Dekanat Rodgau hat Sofortmaßnahmen beschlossen, die zur Bekämpfung von Bildungsarmut beitragen. Zusammen mit dem Nachbardekanat Dreieich wird der Rodgau eine Stelle für die Vernetzung der vielen evangelischen Bildungsträger in der Region einrichten. Deren zweite Aufgabe wird die Begleitung des Ausbaus evangelischer Kitas zu Familien- oder Generationenzentren sein.

Ebenfalls für eine bessere Zusammenarbeit bei der Bildung von Kindern und Familien in Gemeinde und Dekanat hat die Synode einen Kita-Ausschuss ins Leben gerufen. Darin verständigen sich Einrichtungsleitung, Träger, Dekanatsleitung und Experten regelmäßig über inhaltliche Entwicklungen und Maßnahmen.

Gefasst wurden diese Beschlüsse während der jüngsten Dekanatssynode. Die Zahlen, die Experten dabei vorlegten, beunruhigen: 15 Prozent aller Jugendlichen eines Jahrgangs beenden ihre Schulzeit ohne Abschluss. Ein ebenso großer Anteil von Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 15 Jahren im Kreis Offenbach lebt in Familien, die als arm gelten. In Zahlen sind dies 8 600 junge Menschen, die mit Eltern und Geschwistern von „Hartz IV“ leben und denen ihre soziale Herkunft die Zukunft verbaut. Als Hauptrisikofaktoren für Verarmung machten Sozialforscher Arbeitslosigkeit, die Trennung der Eltern und Migrationshintergründe der Familien aus, so Dekan Carsten Tag.

Vor den Synodalen referierten zum Synodenthema „Chancengleichheit von Kindern angesichts von (Bildungs-)Armut“ Experten wie der neue Leiter des Fachdienstes „Kinder, Jugend und Soziales“ des Kreises Offenbach, Georg Horcher, und Dr. Brigitte Bertelmann, Familienbeauftragte des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Vor allem Horcher räumte mit einigen von politischer Seite gern gepflegten Annahmen auf: etwa mit dem Glauben, ein kostenloses Kindergartenjahr für alle sei ein wesentlicher Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit. Statistiken belegten, dass die Dauer des Kita-Besuchs für Kinder aus sozial gesicherten Elternhäusern keinen großen Einfluss auf den späteren schulischen Erfolg hätten, wohingegen „für Kinder aus Familien in prekären Verhältnissen jedes Jahr zählt“, das ihnen den Zugang zu Bildung und Kultur ermögliche.

Horcher forderte ein „strukturelles Umdenken“. Dazu gehöre es zu erkennen, dass Bildung und Erziehung durch die Eltern „weniger eine Frage des Wollens oder Könnens sind, sondern vor allem eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit und Möglichkeit. Erforderlich seien individuelle Familienhilfen.

Quelle: op-online.de

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