Aus Dreck wird Geld

Abfallwirtschaft: Neue Ära beginnt

+
Axel Knobeloch (vorne) und Peter Wunderlich messen regelmäßig die Innentemperaturen der Kompostmieten.

Dudenhofen - Die Kompostierungsanlage östlich von Dudenhofen soll rentabler werden. Seit Anfang des Jahres betreiben die Stadtwerke Rodgau die Anlage in eigener Regie. Wenn der Zuschussbedarf sinkt, profitieren alle Bürger. Von Ekkehard Wolf 

Schließlich bezahlen sie mit ihren Müllgebühren auch für die Kompostierung. „Wir wollen ein hochwertiges Produkt herstellen“, sagt Sabine Kretschmer selbstbewusst. Die Abteilungsleiterin für Abfallwirtschaft hat sich in den letzten Monaten intensiv in das Thema eingearbeitet. Bei einem Besuch im Kompostwerk Semd des Kreises Darmstadt-Dieburg sammelten die Stadtwerke-Mitarbeiter nicht nur technisches Knowhow. Sie erfuhren auch, dass es für guten Kompost keine Absatzprobleme gebe - die Nachfrage sei höher als das Angebot.

Bisher wurde die Kompostanlage Dudenhofen von der Oko GmbH (Mühlheim) betrieben. Der Dienstleister arbeitete im Auftrag der Stadt und bekam dafür Geld - zuletzt rund 120.000 Euro im Jahr. „Wir haben seit 1989 gut zusammengearbeitet“, betont Kretschmer. Dennoch kündigten die Stadtwerke Rodgau den Vertrag fristgemäß zum Jahresende 2013 wegen einer geplanten Biogasanlage. Als daraus nichts wurde, untersuchten die Stadtwerke andere Optionen. Am 14. Januar gab die Betriebskommission grünes Licht: Der Bauhof übernimmt die Kompostierung.

„Das waren unsere Weihnachtsbäume“

Ein riesiges Rundsieb siebt Grobstoffe aus dem Kompost heraus. Das Sieb ist so groß, dass ein Erwachsener darin stehen kann.

Zwei Arbeiter aus dem Bereich „Grünanlagen“ des Bauhofs haben seither mehrere tausend Weihnachtsbäume geschreddert. Nach und nach öffnen sie die aufgesetzten Kompostmieten, um nachzusehen, ob der biologische Prozess planmäßig abläuft. Die Innentemperatur wird regelmäßig dokumentiert. Mit Schwung rammt Axel Knobeloch das Thermometer in einen Hügel aus geschredderten Pflanzenteilen. Der Messstab ist zwei Meter lang. „Das waren unsere Weihnachtsbäume“, lacht sein Kollege Peter Wunderlich. Bei genauem Hinsehen sind noch winzige Zweigfragmente mit Tannennadeln zu erkennen. Obwohl der Hügel erst ein paar Tage alt ist, zeigt das Thermometer schon fast 60 Grad. Dampf steigt in die kühle Luft auf.

In der Kompostmiete kann es 70 bis 100 Grad heiß werden. Bei diesen Temperaturen werden Unkrautsamen und Krankheitserreger abgetötet. „Wenn die Temperatur nicht weiter steigt, ist es Zeit, das Material umzusetzen“, erklärt Peter Wunderlich, während er den Messwert ins Betriebstagebuch notiert. Zwei bis drei Mal pro Woche werden die Mieten mit dem Radlader abgetragen und neu aufgesetzt, um das Material zu mischen: Was außen ist, kommt nach innen, bis die pflanzlichen Abfälle vollständig in Kompost umgewandelt sind. „Nach sechs bis acht Wochen haben wir Frischkompost, der in der Landwirtschaft ausgebracht werden kann“, sagt Axel Knobeloch.

Kompost wird von Verkauf oder Verbrauch gesiebt

Nach einigen Monaten Ruhezeit, der so genannten Nachrotte, reift der Frischkompost zu Fertigkompost mit einem höheren Humusanteil. Vor dem Verkauf oder Verbrauch wird der Kompost gesiebt, so dass er eine Körnung von zwölf Millimeter aufweist. Das geschieht in einem riesigen Rundsieb. Die größeren Stücke, die darin zurückbleiben, sind kein Abfall: Sie werden in den frischen Grünschnitt untergemischt und zu einer neuen Kompostmiete aufgesetzt. „Eine zielgerichtete Steuerung des Inputs und des Rotteprozesses“ müsse bereits bei der Kontrolle der Anlieferung beginnen, betont Abteilungsleiterin Sabine Kretschmer. Sie weiß aber auch: „Da werden wir noch ein bisschen üben müssen.“ Die notwendigen Maschinen mieten die Stadtwerke zunächst an. Unter anderem brauchen sie einen großen Radlader, um die Berge umzusetzen.

Fachlichen Rat erhalten die Stadtwerke unter anderem von der Gütegemeinschaft Kompost, in der viele Erzeuger Mitglied sind. Dieser Verband lässt auch die Produkte analysieren und vergibt RAL-Zertifikate, auf denen die Inhaltsstoffe aufgeführt sind. „Mit dem Gütezeichen werden wir uns auch auf die Landwirtschaft und den Garten- und Landschaftsbau ausrichten“, so Kretschmer. In den nächsten Monaten will sie ein Vermarktungskonzept entwickeln. Einen Teil des Komposts wollen die Stadtwerke selbst verwenden: „Zur Pflege der Grünanlagen braucht der Bauhof hochwertiges Material.“

„Sauberhaftes Hessen“ in Rodgau

„Sauberhaftes Hessen“ in Rodgau

Neben dem nährstoffreichen Frischkompost und dem gereiften Fertigkompost mit höherem Humusanteil können die Stadtwerke auf dem großen Gelände bei Dudenhofen noch weitere Produkte herstellen, zum Beispiel Gartenerde oder Kübelpflanzen-Erde. Auch für das angelieferte Holz gibt es schon Interessenten. „Es kann sein, dass der holzige Anteil separiert werden kann“, sagt Sabine Kretschmer. Die Holzstückchen und -fasern sind unter anderem als Brennstoff gefragt.

Die Pflanzenkompostierung in kommunaler Hand ist nach Ansicht der Stadtwerke Rodgau eine gute Sache: Grünschnitt aus der Region wird zu Kompost für die Region. Dadurch entfallen lange Fahrstrecken. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz muss die Verwertung von Bioabfällen ohnehin auf kommunaler Ebene organisiert werden. Ab 2015 sind die Landkreise dafür zuständig. „Der Kreis Offenbach erhebt keinen Anspruch auf den Grünschnitt“, weiß Kretschmer. Das leuchtet ein: Jede Tonne Grünschnitt, die in Rodgau verrottet, muss der Kreis nicht teuer entsorgen. Andere Städte gehen einen anderen Weg. Heusenstamm und Obertshausen wollen ihre gemeinsame Kompostanlage zum Jahresende aufgeben und nur noch Sammelplätze betreiben. Das bringt für die Stadtwerke Rodgau ein Alleinstellungsmerkmal: „Wir betreiben dann die einzige wirkliche Pflanzenkompostierungsanlage im Landkreis Offenbach.“

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare