Lederwaren als Leidenschaft

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Achim Bruder im Musterzimmer seiner Firma. Dort wählen Kunden Ware für die nächste Saison aus.

Rodgau - Rodgau hat im Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie eine prominente Stimme. Der Jügesheimer Unternehmer Achim Bruder leitet in dieser großen Offenbacher Interessenvertretung seit gut einem Jahr als Fachvorstand den Bereich Lederwaren. Von Bernhard Pelka 

Sobald Besucher das Firmengebäude der abro GmbH & Co. KG an der Nürnberger Straße betreten, wissen sie, welche Branche dort arbeitet. Ein Ledersofa von dezenter Eleganz verströmt dort seinen unverwechselbaren Duft. Schon beim Warten bekommen die Kunden also einen sinnlichen Vorgeschmack darauf, was sie im Musterzimmer erwartet. Abro ist die Abkürzung für „Adam Bruder Rodgau“. Nicht nur Kennern ist das Familienunternehmen ein Begriff. Die Handtaschen in feiner Flechttechnik von abro sind etwas Besonderes. Und das seit dem Jahr der Firmengründung 1930.

Mit seinem Bruder Stefan führt Achim Bruder seit 1995 das Unternehmen mit zurzeit 50 erfahrenen Fachkräften. Vor gut einem Jahr stellte er sich dem Bundesverband in verantwortlicher Position zur Verfügung. Seither beobachtet der Geschäftsmann, wie die Debatte um Produktionsbedingungen für Textilien, Schuhe und Lederwaren den Ruf dieser Branchen immer mehr dominiert. „Man darf nicht alles über einen Kamm scheren“, appelliert der Unternehmer an die Fairness bei dieser Diskussion. Eines sei allerdings sicher: „Die 99-Euro-Tasche aus dem Leder frei lebender Kühe, von Hand produziert hier in Deutschland, kann es nicht geben“. Gewisse Preislagen und Wunschvorstellungen würden einander ausschließen. Das dürfe freilich kein Freibrief sein für untragbare Arbeitsbedingungen.

Glaubwürdigkeit bei Kunden wichtig

„Aufklärung“ sei für ihn als Verbandsspitze deshalb ein wichtiges Thema. Derzeit arbeite der Verband zusammen mit einer Beratungsfirma an einem Kontrollsystem. Das werde Kunden den Nachweis erbringen, unter welchen Umständen die Beschäftigten bei den Zulieferern und Vorproduzenten ihr Geld verdienen. Für Achim Bruder geht es dabei um ein hohes Gut: „unsere Glaubwürdigkeit bei den Konsumenten“.

Das große Thema Nummer zwei ist für den Fachvorstand die Imagepflege für deutsche Lederwaren, speziell für Taschen. Bruder bedauert, dass selbst Insider die großen Namen von einst, wie Mädler oder Goldpfeil, „regelmäßig nicht mehr kennen“. Die „glorreiche Vergangenheit der deutschen Lederwaren- und Taschenindustrie“ müsse wieder in die Köpfe hinein. Es sei nicht befriedigend, dass Kunden beim Gedanken an Lederwaren meist nur italienische oder französische Nobelfirmen einfallen. Da seien „in erster Linie die deutschen Firmen selbst gefragt“. Zum Beispiel müssten „Versäumnisse beim Marketing“ dringend wettgemacht werden. Der Lederwarenexperte weiß, dass dies alles nicht von heute auf morgen gehen wird. „Es gibt keine schnellen Antworten.“ Zufrieden ist der frühere Buchprüfer des hessischen Lederwarenverbandes mit dem Ansehen des traditionsreichen Messestandorts Offenbach. Da werde „sehr gute Arbeit geleistet“.

Bruders Firma abro gehört zur großen Tradition der Lederwarenfirmen in unserer Region. Überall in Stadt und Kreis hat es sie früher gegeben: die Babscher und Portefeuiller. Mal stellten sie in Heimarbeit Kleinlederwaren her, mal saßen sie an den Fertigungstischen der Großen wie Mano, Goldpfeil oder HCL in Offenbach. Abro wurde 1930 unter dem Namen Adam-Alois-Bruder-KG gegründet. In den 80er Jahren erfolgte die Umbenennung. In den Anfängen war die Firma auf Gürtel spezialisiert. Heute lassen die feinen Taschen, Schuhe, Gürtel und Kleinlederwaren aus Jügesheim Frauenherzen höher schlagen. Wobei dies nur zur Hälfte stimmt. Denn nur die Entwürfe entstehen noch in Rodgau. Produziert wird seit den 80er Jahren im europäischen Ausland.

Quelle: op-online.de

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