Ackerland als Labor

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Christoph Puschner (ZWO), Bauer Wolfgang Würfl und Sebastian Würfl (von links) begutachten eine der jungen Spargelpflanzen in Hainhausen.

Rodgau ‐ Wie lässt sich verhindern, dass beim Spargelanbau zu viel Nitrat aus Stickstoffdünger ins Grundwasser gelangt? Dieser Frage gehen Landwirte und der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) derzeit mit Feld-Versuchen nach. Von Bernhard Pelka

Auf einem Acker in Hainhausen verwendet Bauer Wolfgang Würfl für eine frisch angelegte Spargelanlage teils Kompost mit wenig Nitratanteilen. Parallel dazu testet der ZWO mit dem Landwirt Leonhard Becker in Obertshausen, wie viel Nitrat Ölrettichpflanzen als Folgefrucht nach der Spargelernte dem Boden entziehen.

Ziel dieser Versuchsreihe ist der vorbeugende Grundwasserschutz. „Alle Nitratgrenzwerte in unserem abgegebenen Trinkwasser sind in Ordnung. Wir haben also kein akutes Problem“, erläutert ZWO-Ingenieur Christoph Puschner. „Aber Wasser hat ein langes Gedächtnis. Wir wollen heute schon sicherstellen, dass auch die Generationen nach uns diese hervorragende Wasserqualität genießen können.“ Und da bietet sich der Spargelbau als Versuchsfeld an, da die Landwirte den Dünger, aus dem später Nitrat mit dem Regen ins Grundwasser gelangt, hierbei besonders tief in die Erde einarbeiten.

Bauern rückten mit Mäher und Häckselmaschine an

Überdies braucht das edle Gemüse zum Wachstum zu Beginn ausnehmend viel Kompost. Nach der Ernte sind dieser Dünger und der hohe Nitratanteil in der Erde allerdings überflüssig. Deshalb pflanzte der Obertshäuser Landwirt in Abstimmung mit dem ZWO Ölrettich auf ein geerntetes Spargelfeld.

Dieser Tage rückten Bauern mit dem Mäher und der Häckselmaschine an, um den Gründünger zu ernten und abzufahren. Gewöhnlich wird solcher Gründünger ins Erdreich eingebracht, um dort seine Nährstoffe freizusetzen. Beim Feld-Versuch des ZWO ist genau das Gegenteil erwünscht. Der Ölrettich soll dem Boden das Nitrat entziehen und binden. Um festzustellen, wie viel Nitrat im Ölrettich gebunden wurde, bestimmen Experten des Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Kassel zurzeit den prozentualen Anteil des Düngemittels in der Pflanze.

Was hat ein Spargelbauer von solchen Tests?

Zusätzlich hat der ZWO in den Test-Anbauflächen in 90 Zentimeter Tiefe spezielle Messgeräte versenkt. Sie analysieren, wie viel Nitrat der Regen aus den oberen Erdschichten ausgewaschen hat. „Ziel der Versuche ist ein Ausgleich zwischen Ertrag und Grundwassersicherheit“, sagt Puschner. Deshalb sei der ZWO mit den Landwirten der Region in ständigem Kontakt.

Was hat ein Spargelbauer von solchen Tests? „Wir erfahren dabei, wie sich Nitrat und Stickstoff im Boden verhalten. Wir haben doch auch nichts davon, wenn der Dünger ins Grundwasser und nicht in die Pflanze geht“, beschreibt Bauer Würfl den Mehrwert solcher Versuchsreihen. „Wir tun etwas für die Umwelt und können dabei unter Umständen auch noch Kosten sparen. Das ist doch prima.“

Quelle: op-online.de

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