Äpfel ohne Ende

Reiche Ernte drückt die Preise

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Alles in Handarbeit: Dan Fischer erntet Äpfel der Sorte Rubinette. Auf Fischers Sandhof gibt es noch 5 000 Quadratmeter Anbaufläche für Äpfel, auf denen sechs Sorten gedeihen. Früher bewirtschaftete der Obstbauer bis zu zwei Hektar.

Rodgau - Die deutschen Obstbauern haben ein Luxusproblem. Die Apfelernte fällt diesen Herbst so gut aus wie lange nicht mehr. Zur deutschen Rekordmenge drücken tonnenweise Äpfel aus Nachbarländern auf den Markt. Von Bernhard Pelka 

Grund ist der russische Importstopp für europäische Lebensmittel. „Die Verkaufspreise decken im Großhandel die Produktionskosten nicht mehr“, beschreibt der Rodgauer Obstbauer Dan Fischer die Lage. Ihn als Direktvermarkter trifft die Misere weniger. „Wir verkaufen unsere ganze Ware im eigenen Hofladen.“ Aber er vermutet, dass mancher Kollege, der sein Geschäft im Großhandel macht, jetzt ernste Absatzprobleme bekommt. „Der ein oder andere wird sich überlegen, ob er überhaupt weitermacht. Ganz sicher werden die Anbauflächen verkleinert werden, Anlagen werden gerodet“, blickt Fischer in die Zukunft.

Die Folgen der Apfelschwemme beobachtet der Landwirt mit Sorge. Ein Beispiel: Zweite-Wahl-Äpfel mit kleinen Macken, die in knapperen Jahren aber trotzdem guten Gewissens in den Verkauf gegeben werden können, landen jetzt in der Saftpresse und werden als Most verramscht. „Wir haben dieses Jahr Most im Überfluss. Noch im vergangenen Jahr hat man kaum Mostäpfel zum Saftmachen bekommen.“ Fischer berichtet von einem 125 Millionen Euro schweren Hilfspaket, das

die Europäische Union (EU) für Länder geschnürt hatte, die vom russischen Importstopp betroffen sind - vor allem Polen als größtem Apfellieferanten in der EU. „Die Subventionen waren ruck zuck aufgebraucht.“

Obst von guter Qualität

Es waren einfach gute Bedingungen, die das Wachstum begünstigt haben: der vergangene Winter, der keiner war, dann ein milder Sommer mit zeitweise viel Regen. Der Markt wird die Unmengen Äpfel wohl nicht aufsaugen können. Allein in Deutschland pflücken Erntehelfer in diesen Tagen etwa eine Million Tonnen Äpfel von den Bäumen. Das sind 200.000 Tonnen mehr als in der vergangenen Saison. Das Obst ist von guter bis sehr guter Qualität. Schon fürchten Großhändler die Katastrophe. „Der Handel kann diese Menge nicht verdauen“, warnt zum Beispiel Hans-Dieter Stallknecht vom Bauernverband in den Medien.

Zwar ist der Apfel immer noch der Deutschen liebstes Früchtchen. Der Apfelkonsum lag zuletzt pro Jahr und Kopf bei 15 Kilo Frischware. Aber 200.000 Tonnen mehr als 2013 sind nicht zu verkraften. Hinzu kommen auf dem Markt im Westen die etwa 800.000 Tonnen Äpfel, die Polen sonst jährlich nach Russland liefert. „Die Polen wiederum sind wegen des russischen Importstopps nicht nur gezwungen, ihre Ware woanders abzusetzen, sondern sie müssen auch noch viel mehr Äpfel als sonst von ihren Nachbarländern übernehmen“, erläutert Dan Fischer.

Die größte Bembel der Welt

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Die Folge ist ein dramatischer Preisverfall. Das hessische Landwirtschaftsministerium rechnet damit, dass der Kilopreis im Lebensmitteleinzelhandel um etwa einen Euro auf rund 1,99 Euro fällt.“ Das weltweite Überangebot hat selbst den Preis für Mostäpfel so weit gedrückt, dass viele Bauern das Obst lieber liegen lassen. Die Arbeit lohnt sich einfach nicht mehr.

Schon werden Forderungen laut, Äpfel zu vernichten, um das Angebot zu verknappen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schlug vergangene Woche hingegen einen anderen Weg vor. Es will sich stark machen für die Erschließung neuer Absatzmärkte in China und Südamerika.

Quelle: op-online.de

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