Geplante Biogasanlage sorgt für Ärger

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Der Markt für Ökoenergie kriselt.

Rodgau - Der Markt für Ökoenergie kannte lange nur eine Richtung: aufwärts. Jetzt kriselt es. Für neuen Zoff sorgt die geplante Biogasanlage von der Energie-Service-Mühlheim GmbH. Von Bernhard Pelka

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Biogaspläne verflüchtigt

Der Ton zwischen den Rodgauer Landwirten und der Energie-Service Mühlheim GmbH (ESM) wird schärfer. Die Dudenhöfer Ortslandwirtin Beate Mahr wirft nach dem Scheitern der Pläne zur ESM-Biogasanlage den Projektbetreibern vor, die Bauern als Geschäftspartner nicht ernst zu nehmen. „Man ist zu keinen persönlichen Gesprächen mehr bereit. Stattdessen verschickt man Briefe. Wir fühlen uns verarscht“, sagt Mahr. Allein in Rodgau hatten fünf Landwirte ihre Betriebe auf die Anlieferung von Substrat für die Biogasanlage neu ausgerichtet, teures Saatgut gekauft und die Fruchtfolge auf ihren Feldern geändert. Nach dem Aus der Mühlheimer Neubaupläne fürchten die Bauern immensen wirtschaftlichen Schaden.

Alternativen zu Mais und Getreide gesucht

Feldversuch mit afrikanischen Hirsesorten als Rohstoffe für Bioenergie vom 12.06.2008

Dudenhofen (pul) - "Feldtag" bei Ortslandwirtin Beate Mahr: Landwirte aus den Kreisen Offenbach und Darmstadt/Dieburg sowie Fachleute für Saatgut und Biogasanlagen tauschten in der Flur ihre Ansichten und Erfahrungen aus. Auch Robert Glaab von der Glaabsbräu-Brauerei erkundigte sich nach dem Stand der Braugerste. Der Streifzug durch die Gemarkung führte auch zu den Weizenfeldern von Harald Löw, dem Mais von Sebastian Rosskopf (Stickstoffsteigerungsversuch) und zu Karl-Heinz Kämmerer (organische Düngung).

Beate Mahr hat ein Ziel vor Augen: Eine Alternativkultur zu Mais und Getreide zu finden, die auf trockenen Böden gedeiht, zum Grundwasserschutz beiträgt und zu Biogas verarbeitet werden kann. Auf dem Papier hat die Ortslandwirtin mit den afrikanischen Hirsesorten Sudangras und Sorghum-Hirse schon die richtige Frucht gefunden. Ob sich die Theorie in die Praxis umsetzen lässt, wird sich in einigen Monaten zeigen.

Wann ist der Schnitt, wie hoch ist die Ertragskraft und welche Bodentemperaturen brauchen die afrikanischen Hirsesorten? Das waren die Fragen der Landwirte an Michael Schmutz vom französischen Saatguthersteller Caussade.

Für Jörn Löffler vom Energieservice Mühlheim GmbH stellt sich die Frage, ob sich in Mühlheims Umkreis genügend Biomasse anbauen lässt, um die geplante Biogasanlage zu füttern. Dort rechnet man mit einem Ausstoß von elf Millionen Kubikmeter Biogas pro Jahr, das zur Stromerzeugung oder - nach weiteren Bearbeitungsschritten - als Gas zum Heizen genutzt werden kann. 17 Millionen Kubikmeter beträgt der Jahresverbrauch von Mühlheim.

Biomasse produzieren Mais und Sudangras etwa gleich viel. Somit sind beide für die Biogasproduktion interessant. In trockenen Jahren spielen die afrikanischen Sorten aber ihre Vorteile aus. Bei Trockenheit gehen sie nicht zugrunde, sondern verharren im aktuellen Wachstumsstadium und warten geduldig auf den nächsten Niederschlag. Trockene Böden reichen aus. Außerdem entziehen die "Afrikaner" dem Boden Nitrat und schonen damit das Grundwasser.

Bundesweit angelegte Versuche zeigten, dass die beste Kombination für die Böden im wechselnden Anbau von Mais, Sudangras, Luzerne und Winter-Triticale bestehe, erklärte Dr. Matthias Plöchl (Geschäftsführer der Bioenergie Beratung in Potsdam), die mit dem Energieservice Mühlheim kooperiert.

Beate Mahr wirft einen weiteren positiven Aspekt in die Waagschale pro Hirse: Die Wildschweine scheinen die Hirse nicht so zu mögen. Das heißt, der Schaden für den Landwirt durch die Schwarzkittel dürfte geringer sein als beim Maisanbau. Bleibt abzuwarten, was der Feldversuch bringt und ob die Hirse in Rodgau gut gedeiht.

Quelle: op-online.de

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