Neun der 19 Rodgauer Hausärzte halten Versorgung für gesichert

Ärzte sehen keinen Engpass - Furcht vor Konkurrenz?

Rodgau - Wie steht es wirklich um die hausärztliche Versorgung in Rodgau? Seit Jahren gibt es Klagen über einen Engpass. Niedergelassene Mediziner äußerten die Befürchtung, im Alter keine Praxisnachfolger zu finden. Von Ekkehard Wolf

In einem Brief an den Magistrat zeichnen neun Hausärzte nun ein ganz anderes Bild. „Die hausärztliche Versorgung der erwachsenen Bevölkerung ist aktuell und in Zukunft durch die niedergelassenen Kollegen ausreichend und in hoher Qualität gesichert“, heißt es in dem Brief, aus dem Bürgermeister Jürgen Hoffmann zitiert. Nach Angaben der Ärzte sei es in den letzten Monaten „gelungen, den Ausfall der Praxis Weirich zu kompensieren“. Der hausärztliche Internist Volker Weirich hatte seine Praxis am Puiseauxplatz Ende April vergangenen Jahres aufgegeben und war nach Seligenstadt gegangen. Vor allem ältere Menschen berichteten damals von Problemen, einen neuen Hausarzt zu finden.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen fehlten zu diesem Zeitpunkt zwölf Hausärzte in der Mitte des Kreises Offenbach (Rodgau, Rödermark, Dietzenbach, Heusenstamm, Obertshausen). Die aktuelle Ärzteliste der KV Hessen weist für Rodgau 19 Hausärzte aus: zwölf Allgemeinmediziner und sieben Internisten. Die Versorgung der Patienten in Rodgau sei gesichert und werde ausgebaut, heißt es in dem Brief an den Magistrat. Die niedergelassenen Ärzte seien auch in der Lage, die Ausbildung des Nachwuchses selbst zu organisieren.

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Bürgermeister Jürgen Hoffmann reagiert überrascht auf den Brief der neun Mediziner: „Es waren ja nicht zuletzt die hier niedergelassenen Ärzte, die uns dafür sensibilisiert haben, dass der demographische Wandel zu einem Mangel in der Versorgung führen kann.“ Die Stadt habe nach Partnern gesucht, um dauerhafte Strukturen zu schaffen. Daraus entstand die Idee, in Nieder-Roden ein kleines medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit zwei angestellten Hausärzten einzurichten. Als Träger kam ein Unternehmen in Betracht, das bereits ein MVZ in der Region betreibt. Das Versorgungszentrum sollte sich auch für die Ausbildung junger Ärzte engagieren. Das scheint nun nicht mehr nötig zu sein, wenn man dem Brief der neun Ärzte glaubt. Den Sinneswandel erklärt sich Hoffmann mit wirtschaftlichen Erwägungen. Ein Teil der Rodgauer Ärzteschaft befürchte offenbar, dass ein MVZ zu viele Patienten abziehen könne.

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Ausdrücklich lobt der Bürgermeister die Unterstützung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Die KV Hessen habe der Stadt wichtige Kennzahlen an die Hand gegeben. Die ärztliche Versorgung bleibe ein wichtiges Thema für die Stadt, betont Bürgermeister Hoffmann: „Wir werden die Gespräche weiterführen.“ Er wisse nicht, ob die neun Mediziner für die gesamte Rodgauer Ärzteschaft sprächen. Zunächst gelte es, die in dem Brief angeführte Versorgungssicherheit durch Fakten zu belegen. Danach müsse die Stadt herausfinden, „welche Handlungsfelder uns noch bleiben“.

Quelle: op-online.de

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