Ärztehaus kommt in die Gänge

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Dieser Blick erwartet in voraussichtlich zwei Jahren die Fahrgäste, die in Nieder-Roden aus der S-Bahn aussteigen. Das Medizinische Kompetenzzentrum (hier ein Modell der Werkmann-Gruppe) bildet künftig ein markantes Entree zum neuen Ortsteil Nieder-Rodens. Unter der „Brücke“, die beide Gebäudeteile verbindet, geht es auf die Untere Marktstraße zum Puiseauxplatz. Das Kompetenzzentrum soll Fachärzte, Therapeuten und eine Apotheke unter einem Dach vereinen. Auch ein Umzug der ärztlichen Notdienstzentrale ist angedacht.

Nieder-Roden (eh) ‐ Viele Gesundheitsleistungen unter einem Dach verspricht das Medizinische Kompetenzzentrum in Nieder-Roden. Nach Jahren der Diskussionen und Vorbereitungen sollen im Frühjahr die Bagger rollen.

Welche Fachärzte in das neue Zentrum einziehen werden, steht noch nicht fest. „Wir fangen jetzt an, Bewerbergespräche zu führen“, berichtet Dr. Ingomar Naudts (Dudenhofen), der das Projekt zusammen mit der Werkmann-Gruppe (Dietzenbach) entwickelt hat. An 35 Interessenten habe er Informationsbroschüren verschickt.

Im regionalen Tauziehen um Fachärzte will das Rodgauer Kompetenzzentrum mit einem Neubau in verkehrsgünstiger Lage punkten. Direkt an der S-Bahn-Station entstehen zwei mehrgeschossige Bauten, die durch einen Querriegel miteinander verbunden sind. Dadurch entsteht optisch ein „Tor“ in Richtung Puiseauxplatz.

Kurze Wege heißt das Zauberwort

„Unser Ziel ist eine attraktive Niederlassungsmöglichkeit, um den Kampf der Städte und Gemeinden um Ärzte zu gewinnen“, formuliert Dr. Naudts. Er erwartet eine gesunde Mischung aus Orthopäden, einem Röntgenarzt, einem Reha-Zentrum für Rückenleiden, Physiotherapeuten, Logopäden, einer Apotheke und der ärztlichen Notdienstzentrale. Auch Ärzte der Fachrichtungen Gynäkologe und Hals-Nasen-Ohren seien interessiert.

„Das Zauberwort heißt: kurze Wege“, so Dr. Naudts. So sei beispielsweise an eine zentrale Blutabnahmestelle für alle Ärzte gedacht - ohne Wartezeiten für Patienten. Zudem gehe es darum, die einzelnen Arztpraxen von der Bürde der Bürokratie zu entlasten.

Baubeginn im Mai oder Juni

Das Gebäudekonzept ermöglicht variable Grundrisse. Dr. Naudts: „Ein Doppelboden wird eingezogen, so dass Zu- und Ableitungen an jede Stelle im Gebäude gelegt werden können. Gleichzeitig gibt es eine kleinteilige Rasterung, die es ermöglicht, jegliche Raumgrößen darzustellen.“ Bauweise und Ausstattung seien auf sparsamen Energieverbrauch optimiert. Dadurch sei mit sehr niedrigen Betriebskosten zu rechnen.

Für Uwe Werkmann von der Werkmann GmbH + Co KG ist das Medizinische Kompetenzzentrum Nieder-Roden das dritte Bauvorhaben dieser Art. Ähnliche Objekte hat er bereits in Lich (für Privatärzte) und Offenburg errichtet.

Wann der erste Bagger anrollt, steht noch nicht fest. Die im November beantragte Baugenehmigung werde voraussichtlich im Februar oder März vorliegen, sagte Uwe Werkmann gestern auf Anfrage. Mit dem Baubeginn rechne er im Mai oder Juni. Die Bauzeit werde 16 bis 18 Monate betragen.

Werkmann-Gruppe investiert zwölf Millionen Euro

 Seit der Idee zum Bau des Medizinischen Kompetenzzentrums ist viel Zeit ins Land gegangen. Dennoch zeigt sich Werkmann zuversichtlich, dass die Immobilie bald voll vermietet ist. Er begründet das mit dem Gebäudekonzept und der verkehrsgünstigen, zentrumsnahen Lage. Zudem gebe es bereits großflächige Anfragen - im Einzelfall bis zu 1200 Quadratmeter. Die Gesundheitsreform zwinge die Fachärzte dazu, sich mit anderen zusammenzutun.

Sollte die bisher geplante freie Vermietung scheitern, hat die Werkmann-Gruppe noch eine zweite Option in der Hinterhand. „Dann haben wir immer noch die Möglichkeit, als medizinisches Versorgungszentrum aufzutreten“, sagt Uwe Werkmann. Eine solche Einrichtung mit angestellten Ärzten, ähnlich wie die ehemaligen Polikliniken in der DDR, wäre für Werkmann nur die zweitbeste Lösung: „Die regionalen Ärzte genießen das Vormietrecht.“ Nur eines kommt auf keinen Fall infrage: Die Werkmann-Gruppe darf ihre Immobilie nicht branchenfremd vermieten. Der Bebauungsplan erlaubt nur ein medizinisches Kompetenzzentrum und nichts anderes.

Parallel zum Ärztezentrum an der Unteren Marktstraße entsteht ein Parkhaus direkt an der S-Bahn-Strecke. Statt 14 Meter, wie ursprünglich gedacht, soll das Parkhaus rund acht Meter hoch werden: Die unterste Parkebene der Park+Ride-Plätze kommt unter die Erde, in den Etagen darüber wird die Geschosshöhe verringert. Insgesamt investiert die Werkmann-Gruppe rund zwölf Millionen Euro.

Quelle: op-online.de

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