Notdienst kommt nicht

Rodgau - „Ich geh’ schon mal schlafen, du kommst ja auch gleich.“ Das waren die letzten Worte, die Eberhard Röse von seiner Ehefrau hörte. Eine halbe Stunde später fand er die 70-Jährige in einer ungewohnten Lage vor - ihre Beine hingen aus dem Bett, sie rührte sich nicht. Von Ekkehard Wolf

Er deckte sie zu und rief die Ärztliche Notdienstzentrale an. Später in der Nacht wurde ihm klar: Sie ist tot.

Warum kam der Notdienst nicht? Diese Frage beschäftigt den Witwer seit mehr als einer Woche. Er berichtet, etwa zehn Minuten nach seinem Anruf habe ihn die Notdienstzentrale zurückgerufen: „Wenn Ihre Frau nicht mehr atmet, kommen wir nicht.“ Eberhard Röse fragt sich, ob seine Frau vielleicht zu retten gewesen wäre: „Die können doch einem medizinischen Laien nicht überlassen, zu beurteilen, ob ein Mensch noch lebt.“

Was Eberhard Röse um 1 Uhr nachts am Telefon sagte, lässt sich nicht wörtlich rekonstruieren. Seiner Frau gehe es nicht gut? „Ja, das habe ich sinngemäß gesagt.“ Beim Notdienst in Dudenhofen kam die Information anders an: „Meine Frau ist gestorben.“

Bei „vorhersehbarem“ Tod kommt der Notdienst nicht 

„Die Kollegen sind aufgrund der Mitteilung davon ausgegangen, dass es sich um ein vorhersehbares Versterben handelt“, berichtet Dr. Hubert Kremer, der als Obmann der Rodgauer Ärzte für organisatorische Fragen der Notdienstzentrale zuständig ist. Bei einem vorhersehbaren Tod in der Nacht sei es üblich, dass der Hausarzt am nächsten Morgen die Leichenschau vornehme.

„Ich mache seit 1988 Notdienst, deswegen war das für mich eine Routinesache“, sagt Thomas Teubner, der diensthabende Arzt. Mit dem Vorschlag, die Leichenschau an den Hausarzt zu übertragen, habe er den Angehörigen unnötige Scherereien ersparen wollen. „Als Arzt, der die Patientin nicht kannte, hätte ich wahrscheinlich ,unklare Todesursache’ angekreuzt. Dann wäre auch noch die Polizei gekommen.“

Im letzten Jahr keine Beschwerden

Ein tragisches Missverständnis? „Wir haben nicht zurückgefragt, ob es ein plötzlicher Tod ist“, berichtet der diensthabende Arzt. Er rät Bürgern, die nach einer telefonischen Auskunft unsicher sind, „lieber noch ein zweites Mal anzurufen und zu fragen: Wie soll ich jetzt vorgehen?“

Obmann Dr. Kremer bricht eine Lanze für die Mitarbeiter der Ärztlichen Notdienstzentrale. Bei jedem Anruf eines Patienten komme es darauf an, in kurzer Zeit möglichst genaue Informationen zu erhalten, um die Dringlichkeit einzuschätzen: „Bei lebensbedrohlichen Zuständen sind wir nicht mehr zuständig, sondern der Notarzt.“

Bestätigt sieht sich der Obmann durch die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung: „Wir gehören zu den Notdienstzentralen mit den wenigsten Regelverstößen. Andere Notdienstzentralen bekommen fast monatlich Beschwerden, wir im letzten Jahr keine einzige.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Arno Bachert/pixelio.de

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