AKSE-Mitarbeiterinnen verkaufen nicht nur Theaterkarten

„Künstler sind speziell“

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Mit Herzblut bei der Sache: Daniela Ziegler (links) und Silke Ott in der Kulturagentur.

Rodgau - Wenn sich privates Interesse mit beruflicher Notwendigkeit paart, kann dabei ein nicht zu unterschätzender Mehrwert herauskommen. Bei Silke Ott und Gabriele Ziegler von der Agentur für Kultur, Sport und Ehrenamt (AKSE) fügt sich das aufs Schönste. Von Simone Weil 

Sie bringen selbst Freude an Kultur mit und davon profitieren auch die Besucher der von der AKSE organisierten Veranstaltungen. Vom Ticketverkauf über Plakate aushängen bis zur Betreuung der Abonnenten: Silke Ott ist an der Gestaltung des Theater- und Kleinkunstprogramms beteiligt und organisiert den Ostermarkt. Die 49-Jährige hat ihre Ausbildung zur Büroassistentin bei der Stadtverwaltung absolviert und ist seit 32 Jahren dort beschäftigt. Das Theater- und Kabarettpublikum kennt die Kulturexpertin persönlich. Kein Wunder also, dass die AKSE-Mitarbeiterin die Kundschaft im Notfall selbst über Ausfälle oder Verlegungen informiert. „Es gibt immer einige, die Zeitung nicht gelesen haben“, weiß sie. Deswegen fängt sie die Besucher auch schon mal am Veranstaltungsort ab.

Ist sie selbst als Zuschauerin unterwegs, guckt sie sich gerne die eine oder andere Anregung ab: „Man schnappt immer mal was auf“, meint sie. Sie weiß, dass es für das Publikum so wirkt, als würde sie abends vor der Aufführung nur noch schnell die Kasse machen. Doch sie kontrolliert, ob der Bestuhlungsplan richtig umgesetzt wurde, hat die Künstlergarderobe hergerichtet und im Zweifelfall bereits selbst für das Catering gesorgt. Denn dummerweise gibt es im Bürgerhaus Nieder-Roden keine Gastronomie. Die Pausenbewirtung mit Getränken übernimmt deswegen schon ein Team von Ehrenamtlichen, das die AKSE regelmäßig unterstützt.

Gibt es nun aber besondere Wünsche von den Künstlern, wie zum Beispiel vegetarische oder vegane Speisen, muss Silke Ott sich etwas einfallen lassen: Dann macht sie Schnittchen mit entsprechenden Pasten. Dabei sind noch diverse Unverträglichkeiten zu berücksichtigen. „Ich bin oft überrascht, was es an Allergien gibt“, erzählt die Angestellte. Manchmal aber ist es auch eine Art Rund-um-Betreuung: Dann fährt sie eben mit dem Gast zur Raststätte, weil das die einzige Möglichkeit ist, noch etwas zum Knabbern aufzutreiben.

Kollegin Daniela Ziegler war kürzlich für die Betreuung des Empfangs anlässlich der Kulturförderpreisverleihung zuständig: Dann schenkt sie Sekt und Orangensaft aus und sieht an allen Stellen nach dem Rechten. Die gelernte Reisekauffrau, die Ethnologie und Kulturantrophologie aufgesattelt hat, ist seit 2008 bei der Stadt Rodgau beschäftigt. Sie kümmert sich hauptsächlich um Kunst, Kunstausstellungen, Musikfestivals und Öffentlichkeitsarbeit.

Wenn sie sich am Wochenende privat die eine oder bei Ausstellungen anschaut, zückt sie immer wieder den Stift, um sich Namen und Kontaktdaten von Künstlern zu notieren. Auf diese Weise hofft sie, neue Leute beispielsweise für die Rodgauer Art gewinnen zu können. Denn in Rodgau setzte man nicht auf Bewerbungen, sondern „sucht Künstler ganz aktiv aus“, erzählt die 52-Jährige. Schließlich sei es etwas anderes, wenn man Bilder oder andere Ausstellungsstücke selbst gesehen habe, meint Ziegler.

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„Künstler sind speziell“, das wissen beide AKSE-Damen. Deswegen gibt es oft besondere Herausforderungen: Das fängt bei umfangreichen Listen für das Catering mit speziellen Heilwässern an und hört bei Transportschwierigkeiten auf, wenn es um die Anfahrt und das Aufstellen von besonders schweren Kunstwerken geht. „Es gibt immer wieder Sonderfälle, aber das wollen wir ja auch“, sagt Daniela Ziegler.

Wenn nach dem Strandbadfestival bis morgens um 4 Uhr abgebaut wird, damit die Schwimmer und Sonnenanbeter sonntags wieder zu ihrem Vergnügen kommen, dann ist Dienst nach Vorschrift eben nicht möglich. Allerdings müssen auch die Familien mitmachen. So hat bei Silke Ott der Theatermarkt der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen (Inthega) Mitte Oktober einen festen Platz im Terminkalender, obwohl es zu diesem Zeitpunkt „immer so schöne Kreuzfahrten gibt“. Auch Daniela Ziegler verzichtet wegen der Rodgau Art, die mit den Herbstferien im Oktober kollidiert, auf Urlaub mit Mann und Sohn: „Die fahren dann alleine weg.“ Um Missverständnissen vorzubeugen: Die beiden Damen jammern nicht. Was sie machen, tun sie gerne. In dem einen oder anderen Fall aber funktioniert das nur, weil neben der beruflichen Aufgabe Herzblut mit im Spiel ist.

Quelle: op-online.de

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