Soziales Jahr im Haus Emmanuel: Erfahrung nach einem Jahr Arbeit mit Behinderten

„Alle sind so lebensfroh“

Bewohner des Hauses Emmanuel schnippeln im Gemeinschaftsraum Gemüse fürs Abendessen. Felix Tetiwa bringt ihnen einen Behälter für die Abfälle. Foto: Wolf

Jügesheim (eh) - Erstmals hat ein junger Mann im Haus Emmanuel sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. Die Erfahrungen sind auf allen Seiten positiv.

„Hier wird einem echt viel Freiheit gelassen“, erzählt Felix Tetiwa (19), dessen Sozialjahr demnächst zu Ende geht. In der Wohngruppe der Behindertenhilfe Offenbach übernimmt er Küchenarbeit, Fahrdienste und auch manche pflegerische Tätigkeiten. „Für uns ist er eine tolle Entlastung“, sagt Simone Stodal-Kostka, die Leiterin der Wohngruppe.

13 Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Einschränkungen leben im Haus Emmanuel im Herzen von Jügesheim. Felix Tetiwa hat sein Sozialjahr dort absolviert, „weil ich eine Stelle gesucht habe, die nah an meinem Wohnort ist und nichts mit Kindern zu tun hat“.

Aus seinem FSJ nimmt der 19-Jährige die entscheidende Erfahrung mit, dass man einen Menschen nicht nach seinen Defiziten beurteilen darf. „Die Bewohner machen viel mehr, als man denkt. Sie sind alle so lebensfroh. Sie haben alle ihre Aktivitäten, keiner versauert hier im Haus.“

Der Umgang zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen ist für den jungen Mann selbstverständlich. Doch seine Berufswahl hat dieses Jahr nicht beeinflusst. Felix Tetiwa strebt eine Ausbildung im IT-Bereich an, am liebsten als Fachinformatiker für Systemintegration.

„Wir haben ihm auch schon gesagt, er wär’ für den pädagogischen Bereich geeignet“, berichtet Wohngruppenleiterin Simone Stodal-Kostka. Ihr Wunsch für die nächsten Monate: „Wir wollen wieder so einen tollen FSJler.“ Dabei gehe es nicht nur um die Entlastung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen: „Unsere Jungs finden das auch ganz gut, wenn ein männliches Wesen da ist.“

Obwohl er keine Fachkraft ist, war Felix Tetiwa bei Teamsitzungen und Fallbesprechungen immer dabei. „Wir haben ihn auch nach seiner Meinung gefragt“, so die Wohngruppenleiterin. Für den jungen Mann waren diese Gesprächsrunden wertvoll, wie er sagt: „Da bekommt man eine ganz andere Sichtweise.“

Noch sucht die Behindertenhilfe Offenbach einen Nachfolger, der ein Freiwilliges Soziales Jahr im Haus Emmanuel absolvieren möchte. Aber auch an anderen Standorten in Stadt und Kreis Offenbach ist ein FSJ möglich. Insgesamt 25 Stellen hat die Behindertenhilfe zu besetzen. Gefragt sind junge Menschen zwischen 17 und 27 Jahren. Das FSJ beginnt am 1. August oder am 1. September und dauert zwölf Monate. Die Helfer/innen erhalten monatlich ein Taschengeld von 180 Euro sowie eine Pauschale von 225 Euro für Verpflegung und Wohnung. Interessierte wenden sich an Claudia Kamer, s  069 8090969-17.

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offenbach.de

Quelle: op-online.de

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