Alt-Arznei in den Müll

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Apotheker Rudolf Kern (Nikolaus-Apotheke) nimmt wie seine Kollegen nur noch kleinste Mengen an Altmedikamenten zurück. Die roten Säcke werden nicht mehr abgeholt.

Rodgau (eh) ‐ Wohin mit abgelaufenen Medikamenten? „Bringen Sie sie zur Apotheke“, hieß seit Jahren die offizielle Empfehlung. Damit ist es jetzt vorbei. Viele Apotheker nehmen Pillen, Säfte oder Zäpfchen nicht mehr zurück. Die Apotheker bekommen den Pharmamüll selbst nicht mehr los.

Allein die Nikolaus-Apotheke in Jügesheim hat 20 Säcke voller Arzneimittelreste eingelagert. „Ich kann nichts mehr annehmen, weil ich keine Kapazität mehr habe“, bedauert Apotheker Rudolf Kern: „Das ist unbefriedigend, aber wir müssen die Leute wegschicken.“

Seinen Kollegen geht es ähnlich. Wenn überhaupt, nehmen sie nur noch kleinste Mengen an Altmedikamenten zurück. Doch damit ist nicht jedem Kunden geholfen. „Bei Todesfällen kommen manchmal Berge zusammen“, weiß Rudolf Kern.

Ein bundesweites Problem: Das seit 1994 bewährte Entsorgungssystem „Remedica“ gibt es nicht mehr. Das Kölner Entsorgungsunternehmen Vfw holt Altmedikamente und Verpackungen aus den Apotheken seit dem Sommer nicht mehr kostenlos ab.

Offen, ab wann es einen neuen Entsorgungsweg gibt

Der Hessische Apothekerverband sieht die Pharmaindustrie in der Pflicht: „In erster Linie sind die Hersteller gefragt“, sagt Pressesprecherin Kirsten Müller-Kuhl. In dem Verband mit Sitz in Offenbach sind mehr als 95 Prozent der 1 600 niedergelassenen Apotheker Hessens organisiert. Ob und wann es einen neuen Entsorgungsweg gibt, ist offen.

Die Apotheker haben ihren Kunden die Rücknahme schon seit jeher als freiwillige Leistung angeboten, um zu vermeiden, dass Arzneimittel in Kinderhände kommen“, berichtet Kirsten Müller-Kuhl. Das hessische Umweltministerium zähle Arzneimittel aus privaten Haushalten zum Hausmüll - und der werde ja schließlich verbrannt.

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Wenn man das den Kunden erklärt, wird das auch akzeptiert“, sagt Richard Wenzel von der Einhorn-Apotheke in Dudenhofen. Er nehme keine Altmedikamente zurück. Einzige Ausnahme: „Stark wirksame Mittel wie Opiate nehmen wir an und entsorgen sie entsprechend.“

Wohin mit dem Zeug? Ein Patient in Nieder-Roden erhielt den Rat, seine Arzneireste in die Mülltonne zu werfen - aber erst kurz vor der Abfuhr, damit sie nicht in Kinderhände geraten. Ein anderer Apotheker schickte ihn zum Schadstoffmobil: „Oder fragen Sie bei der Stadt.“

Entsorgung über Restmülltonne möglich

Im Abfallwegweiser der Stadt Rodgau standen Altmedikamente bisher auf der gleichen Seite wie Chemikalien. Doch im Rathaus hat ein Umdenken eingesetzt. Gestern meldete die Stadtverwaltung: „Nach Rücksprache mit der Rhein-Main Abfall GmbH Offenbach können zu entsorgende Medikamente/Arzneimittel über die Restmülltonne entsorgt werden.“ Man solle die Pillen gesondert verpacken, damit sie nicht für Kinder zugänglich seien.

Wer Bedenken hat, seine übrigen Pillen in die Tonne zu werfen, kann sie auch am Schadstoffmobil abgeben. Die Sammelstelle der Rhein-Main Abfall GmbH (RMA) steht heute, Samstag, von 8 bis 10.30 Uhr am Bürgerhaus Dudenhofen und von 11 bis 13.30 Uhr auf der Hans-Böckler-Straße im Jügesheim. Die RMA rät auf ihrer Internetseite: „Altmedikamente sind in den Apotheken oder am Schadstoffmobil abzugeben.“

Quelle: op-online.de

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