Anderen geholfen

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Erich Reichardt neben seiner Frau Lilet und Tochter Jasmine in ihrem Restaurant „Flavors“. Seine umfangreichen Lebenserfahrungen verarbeitet Reichardt in einer Autobiographie, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll.

Weiskirchen - (as) „Geh mal an den Fluss und wenn du am Fluss bist, dann gehe über die Brücke.“ Schritt für Schritt entwickelt sich das Leben und erweist sich oft gerade nicht als plan- und vorhersehbar.

Sich flexibel und gelassen auf immer neue Situationen einzustellen und einzulassen, das ist eine von vielen Lebenserfahrungen, die sich Erich Reichardt während seines langen Asien-Aufenthaltes angeeignet hat. Nun ist er nach fast vier Jahrzehnten auch als Entwicklungshelfer wieder in seine Heimat Weiskirchen zurückgekehrt.

Es gibt viel zu viele Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben“, berichtet Reichardt und weiß genau, wovon er da spricht. Ganze 38 Jahre hat er in mehreren asiatischen Ländern, wie Singapur, Indonesien, Thailand, China und Malaysia verbracht und dabei das Leid vieler miterlebt. Gezielt setzte er sich dafür ein, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Kontinuierlich und stets mit dem Blick nach vorne machte der heute 61-jährige Ingenieur erfolgreich seinen Weg vom freiwilligen Entwicklungshelfer bis zum Geschäftsführer in der High-Technologie-Industrie. Alles fing damit an, dass Reichardt als junger Mann Ende 1969 mit dem Deutschen Entwicklungsdienst nach Indien ging. Dort half der ausgebildete Zerspanungsmechaniker und Maschinenbaumeister mit, in einem Waisenhaus christlicher Missionare eine Druckerei und mechanische Werkstatt aufzubauen. Hundert Lehrlinge bekamen dabei die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen und so zukünftig selber für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.

Mut anderen zu helfen

Ich zeige dir, wie man es macht, dann kannst du dir selber helfen“, heißt das bewährte Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. „Vor zwei Jahren war ich wieder in dem Betrieb“, berichtet Erich Reichardt stolz, „mittlerweile werden dort 3500 Menschen ausgebildet.“ Solch eine Erfahrung prägt. Und sie macht Mut. Mut, dass es sich lohnt, mit dem eigenen Tun anderen zu helfen und in deren Zukunft zu investieren.

Ende letzten Jahres entschlossen sich Erich Reichardt und seine philippinische Frau Lilet, mit den beiden Kindern Jasmine und Karl Erich wieder nach Deutschland zurückzukehren. „Rodgau gefällt mir gut“, meint Reichardt. Doch in den vielen Auslandsjahren hat er auch einen anderen, einen kritischeren Blick auf seine Heimat entwickelt. So lassen aus seiner Sicht etwa die Sauberkeit in den deutschen Städten oder der Umgang mit alten Menschen sehr zu wünschen übrig. „Es gibt vieles zu verbessern“, meint er und möchte damit Denkanstöße geben. „Oft sind die Deutschen zu konservativ, um neue Dinge zu akzeptieren und schnell unbürokratisch umzusetzen“. Besonders im IT-Bereich müsse Deutschland mehr in die Zukunft investieren, um international am Ball zu bleiben.

Zurzeit schreibt Erich Reichardt am ersten Teil seiner Autobiographie, die er im kommenden Frühjahr auf der Buchmesse präsentieren will und die den Lesern Einblick gewähren wird in seine ereignisreichen deutsch-asiatischen Lebenserfahrungen.

Deutsch-asiatisch schmeckt es auch in Erich und Lilet Reichardts neu eröffnetem Restaurant „Flavors“ in Weiskirchen. Dort setzt das Ehepaar die Kombination der beiden Kulturen kulinarisch und lecker um.

Quelle: op-online.de

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