Alles in Handarbeit

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Andreas Grobauer ist Handwerker in Reinkultur und fertigt meist Unikate.

Jügesheim - Tagsüber arbeitet er in einer großen Bank in Frankfurt am Main. Abends frönt er seiner großen Leidenschaft und verarbeitet Leder zu Taschen, Gürteln, Messerscheiden oder Geldbörsen. Von Fabian May

Und das alles ohne Strom und moderne Maschinen, ganz von Hand gemacht, fast wie im Mittelalter. Die Rede ist von „Ledervaddi“ Andreas Grobauer. Neben zahlreichen Kunsthandwerkermärkten und Auftragsarbeiten stellt der 45-Jährige einmal im Monat seine Lederarbeiten bei einem kleinen Markt in seinem Hof an der Rathenaustraße 55 aus.

- Am Wochenende 25./26. August ist Andreas Grobauer auf dem Markt „Rebensaft und Handwerkskunst“ in Hanau-Kesselstadt an der Reinhardskirche vertreten. 

- Der nächste und letzte Hofmarkt in diesem Jahr findet am Samstag, 15. September, von 14 bis 19 Uhr in der Rathenaustraße 55 statt. Allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt und es trocken ist. 

- Kontakt: 06106 646929 oder 0162 9166974. www.ledervaddi.de

Grobauer, fast zwei Meter groß und kräftig gebaut, ist eine imposante Erscheinung. Er passt auf den ersten Blick weder in eine Bank noch auf die Märkte, die sein Interesse für die Lederverarbeitung geweckt haben. Schließlich ist es vielen Mittelalter-Fans sehr wichtig, auf Themenmärkten durch die richtige Kleidung und Ausstattung authentisch zu wirken. „Riesen“ wie er, im Mittelalter allen Sagen zum Trotz eher selten anzutreffen, fallen da natürlich auf. Genauso wie ihm auffiel, dass die Lederwaren auf besagten Märkten entweder sehr teuer, weil handgemacht, sind oder ganz einfach aus der Massenherstellung stammen. „Ich hatte keine Lust für teuer Geld eine Gürteltasche zu kaufen, die einem dann -zig mal wieder begegnet. Zudem gibt es schließlich für einen selbst nichts Individuelleres als das eigens Geschaffene“, erzählt der Familienvater.

Teure Maschinen spielen keine Rolle

Deswegen beschloss Grobauer vor drei Jahren, selber in das Lederhandwerk hineinzuschnuppern. Das nötige Werkzeug schaffte er sich an, teure Maschinen und elektrische Geräte sollten bei der Verarbeitung ohnehin keine Rolle spielen – ganz wie im Mittelalter. Relativ schnell zeigte sich, dass er Talent besitzt und großen Spaß an der ganzen Sache hat. „Für mich ist das ein sehr guter Ausgleich zu meinem Beruf, weil es zwei völlig verschiedene Bereiche sind. Bei der Lederverarbeitung kann ich kreativ sein. Die Projekte sind oft eine richtige Herausforderung für mich.“ Seine Frau Angelika hat er mit seinem Hobby schnell angesteckt. Sie stellt Schmuck mit kunstvollen Verzierungen her, der ebenfalls bei den Hofmärkten gezeigt und verkauft wird.

Nachdem Grobauers sich im Jahr 2011 erstmals auf kleine Märkte wagten, kam ihnen die Idee zu einem Marktstand im eigenen Hof. In Jügesheim, einer Gemeinde mit großer Tradition in Sachen Lederindustrie, treffen solche Veranstaltungen auf großes Interesse. Allerdings würde sich Grobauer über mehr ältere Besucher freuen, die selbst noch in den lederverarbeitenden Betrieben gearbeitet haben. „Ich suche auch selber den Kontakt zu Älteren, weil ich von denen noch etwas lernen kann. Die haben ja früher auch mit einfachen Mitteln am Küchentisch gesessen und gearbeitet, um es mal überspitzt zu formulieren.“

Exklusive Stücke auch übers Internet

Die meisten Besucher kommen zum Hofmarkt, um in netter Runde zu plaudern, sich die exklusiven Stücke anzuschauen, zu kaufen oder eigene Aufträge abzugeben. Das ist mittlerweile auch über das Internet möglich. Einige Exemplare haben es schon bis nach Irland, Japan und in die Schweiz geschafft.

Das Ganze läuft so gut, dass Andreas Grobauer im kommenden Jahr etwas kürzer treten will. „Wenn ich zum Beispiel zehn einfache Aufträge bekomme, dann ist das okay und macht auch Spaß, aber es ist nicht so zufrieden stellend für mich. Lieber mache ich etwas Neues, bei dem ich sehr kreativ sein kann.“ Der Hofmarkt soll auch 2013 zwischen Mai und September einmal im Monat stattfinden. Dafür will er seine Auftritte bei Kunsthandwerkermärkten in der Region ein wenig reduzieren. Die „Giesemer Ledereyen on Tour“ machen nämlich den Löwenanteil der öffentlichen Termine aus. Allein in diesem Jahr kommt er auf 13 Veranstaltungen. Da braucht es Muße und Muse, den Marktstand wieder mit neuen kreativen Arbeiten zu bestücken, ohne dass der Termindruck im Nacken sitzt. Daher soll 2013 ein eher produktives Jahr werden, bevor der „Ledervaddi“ 2014 durchstartet.

Quelle: op-online.de

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