Zahid Khan sollte ermordet werden

Angriff auf Islamkritiker: Spuren in Islamisten-Szene

Rodgau/Darmstadt - Der islamkritische Buchautor Khan sollte ermordet werden. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Der mutmaßliche Auftraggeber sitzt in U-Haft, streitet die Vorwürfe aber ab. Möglicherweise gibt es Spuren in die Islamisten-Szene.

Zahid Khan

Der islamkritische Autor Zahid Khan ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nur knapp einem Mordanschlag entgangen. Der 56-Jährige habe am späten Montagabend in Notwehr drei Angreifer auf einem Waldparkplatz mit mehreren Schüssen in die Flucht gejagt und dabei einen von ihnen schwer verletzt. Der mutmaßliche Auftraggeber des Mordes, der 40 Jahre alte islamistische Aktivist Stefan Salim N. aus Marburg, sitze in U-Haft, berichtete die Staatsanwaltschaft in Darmstadt heute. Das Offenbacher Amtsgericht erließ Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes.

N. streite die Vorwürfe ab. Die Ermittler waren ihm über erkennungsdienstliche Fotos der Polizei auf die Spur gekommen. Seine Wohnung in Marburg habe durchsucht werden sollen, der Mann sei aber nicht angetroffen worden und habe sich später bei der Polizei gestellt.

Im Auftrag und für Geld gehandelt

Der 36-Jährige, den Khan auf dem Waldparkplatz mit einem Schuss ins Bein schwer verletzt hatte, sagte im Verhör, er habe im Auftrag und für Geld gehandelt. Sein unbekannter Auftraggeber habe ihn zu dem Parkplatz gefahren und sei bei dem Zusammentreffen mit Khan und seinen beiden Begleitern gegen 23 Uhr dabei gewesen. N. und ein dritter noch unbekannter Mann konnten nach den Schüssen flüchten. Der 36-Jährige erkannte den Auftraggeber jedoch später auf den Polizeifotos, daraufhin wurde dieser festgenommen. Gegen den 36 Jahre alten drogenabhängigen Wohnsitzlosen war schon zuvor Haftbefehl erlassen worden.

Khan soll Medienberichten zufolge bereits früher mehrmals mit Mord gedroht worden sein, er soll unter Staatsschutz stehen. Die Waffe besitzt er legal. Der 56-Jährige hatte Ende Juni in Offenbach auf dem Marktplatz eine Kundgebung zum Thema "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" angemeldet. Rund 150 Menschen hatten damals gegen den Islamkritiker demonstriert. Einige von ihnen hatten Khan auch beworfen. Sieben Demonstranten waren vorrübergehend festgenommen worden.

Im Visier von radikalen Islamisten

Lesen Sie auch:

Schießerei auf Parkplatz: Angreifer festgenommen

Schießerei im Wald: Schütze ein Islamkritiker

N. soll schon früher einmal jemanden bedroht haben, das Verfahren war aber eingestellt worden. Die Darmstädter Behörde hatte zudem im Oktober 2012 ein Verfahren gegen den salafistischen Prediger Pierre Vogel und einen anderen Mann eingestellt. Dabei ging es um eine Verabredung zum Verbrechen. Die beiden Männer sollen gegenüber N. gesagt haben, Khan könne für 30.000 Euro getötet werden. Ende Juni hatten in Offenbach mehr als 100 Menschen gegen den selbsternannten Propheten demonstriert und ihn beworfen. Er war bereits öfters in das Visier von radikalen Islamisten geraten.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion