Angst vor Achtklässler

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Volle Klassenräume waren in der Georg-Büchner-Schule gestern Fehlanzeige.

Jügesheim - Mit einer „nur als Spaß“ gemeinten Drohung im sozialen Netzwerk Facebook hat ein 14-Jähriger viele Schüler und Eltern der Georg-Büchner-Schule in helle Aufregung versetzt. Ein großer Teil der 950 Schüler blieb am Freitag zu Hause. Von Ekkehard Wolf

„Aus Sicht der Polizei bestand und besteht keine Gefährdung für die Schule“, betonte Schulleiter Winfried Döring auf der Internetseite seiner Schule. Doch damit kam er gegen die Gerüchteküche nicht mehr an. Noch am Abend zuvor hatte Elternbeiratsvorsitzende Sabine Fischer eine E-Mail zur sachlichen Aufklärung an die Elternvertreter aller Klassen geschickt. Bis in die Nacht hinein liefen die Telefone heiß.

Eine Klassenkonferenz hatte am Donnerstag über einen Achtklässler beraten, der seit zwei Jahren durch sein Verhalten aufgefallen war - zuletzt hatte er Mitschüler mit einem Zirkel bedroht. „Wenn ich von der Schule fliege, passiert etwas Schlimmes“, soll der Junge sinngemäß via Facebook verbreitet haben. Dies wurde während der Konferenz bekannt. Die Schulleitung verständigte umgehend das Staatliche Schulamt und die Polizei.

Im Polizeipräsidium Südosthessen lief daraufhin eine große „Maschinerie“ an: Gespräche mit Lehrern und Eltern, Recherche im Internet, Durchsuchung der Wohnung - das ganze Programm. Einzelheiten wollte Polizei-Pressesprecher Henry Faltin nicht nennen. Er bestätigte jedoch indirekt, dass die Beamten den PC des Jungen mitnahmen und nach Informationen durchsuchten: „Wir können es uns gar nicht leisten, da irgendeine Lücke zu lassen.“

Die Gefährdungsanalyse hatte ein klares Ergebnis: Keine Gefahr. Dennoch sorgten die Polizisten vor. Henry Faltin: „Er kann keine Tat begehen. Er ist gar nicht in der Schule. Wir wissen immer, wo er ist und was er macht.“

Schmaler Grat zwischen Angst und Hysterie

Der 14-Jährige und seine Familie werden auch in der nächsten Zeit von der Polizei betreut, weiß Schulleiter Döring. Das Staatliche Schulamt habe den Eltern zudem eine Beratung durch den Schulpsychologen angeboten.

Was nun? Die Eltern müssen für ihren Sohn nun eine neue Schule oder eine andere Unterbringung suchen - denn seinen Platz in der 8. Klasse der Georg-Büchner-Schule ist er jetzt los. Zudem muss der 14-Jährige damit rechnen, bald vor dem Jugendrichter zu stehen. Möglicherweise kommen auch noch finanzielle Forderungen auf ihn zu. Henry Faltin: „Wir behalten uns in jedem Fall vor, die entstandenen polizeilichen Kosten dem Störer aufzuerlegen, um deutlich zu machen, dass das alles andere als ein Spaß ist. Selbst wenn strafrechtlich nichts hängenbleiben sollte, die Kosten sind erheblich.“ In einem anderen Fall habe das Polizeipräsidium schon 90.000 Euro in Rechnung gestellt.

Der erfahrene Polizeibeamte warnt Jugendliche davor, sich mit einer solchen Drohung einen bösen Scherz zu erlauben: „Wir versuchen mit Hochdruck den Hinterlasser einer solchen Botschaft zu ermitteln - und wir kriegen sie fast alle.“ Die Polizei nehme jeden Einzelfall ernst und prüfe professionell die Frage der Gefährdung. Falls wirklich einmal Gefahr bestehe, werde die Polizei alle erdenklichen Maßnahmen ergreifen, um Gesundheit und Leben der Betroffenen zu schützen. Doch eine Gerüchtewelle wie jetzt in Jügesheim sei nicht mehr zu stoppen. Besorgte Eltern hätten zeitweise sogar die Notrufnummer 110 blockiert.

„Der Grat zwischen begründeter Angst und Hysterie ist sehr schmal“, sagt Elternbeiratsvorsitzende Fischer. Jetzt sei es wichtig, den Umgang mit einer solchen Drohung innerhalb der Schule aufzuarbeiten. Noch vor den Herbstferien plant Döring einen Informationsabend.

Quelle: op-online.de

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