Äpfel ohne Ende

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Christina Major freut sich schon auf die Ernte. Ihr Winterrambur ist einer der ältesten Obstbäume Rodgaus.

Jügesheim (eh) - Einer der ältesten Apfelbäume Rodgaus ist 120 Jahre alt und steht mitten in Jügesheim. Trotz seines biblischen Alters trägt er Früchte wie ein junger Baum. Sogar jetzt im Oktober hängen dicke Äpfel an seinen Ästen.

Das Alter lässt sich ziemlich genau eingrenzen. „Meine Großeltern sind 1896 hier eingezogen“, erzählt Christina Major aus der Ludwigstraße. „Seitdem, sagte er, hat er schon Äpfel gehabt. Das war damals ein ganz junger Baum.“

Wenn man von der Ludwigstraße auf den Parkplatz der Rodgau-Passage fährt, sieht man den Apfelbaum links hinter dem Gartenzaun. Die Sorte ist heute kaum noch bekannt. Dabei hat der Rheinische Winterrambur eine lange Tradition. Laut Lexikon gibt es diese Sorte schon seit mindestens 350 Jahren.

Der Winterrambur ist ein Winterapfel

Der Name sagt es: Der Winterrambur ist ein Winterapfel. Man erntet ihn Mitte Oktober und lässt ihn erstmal liegen. Im Dezember kann man in die ersten Früchte beißen. Wenn die Äpfel gut gelagert werden, halten sie sich bis ins Frühjahr.

Solche Äpfel gibt es nicht im Supermarkt. Noch vor 50 Jahren waren die Menschen froh, wenn sie Früchte so lange lagern konnten. Wie sonst sollte man im Winter Obst essen, wenn man nicht auf Eingemachtes oder Dörrobst zurückgreifen wollte?

Christina Major weiß ihren alten Apfelbaum noch heute zu schätzen. Er ist anspruchslos, widerstandsfähig und hat auch einen nicht ganz fachgerechten Schnitt klaglos überstanden. Die Äpfel lässt sie im Herbst so lange wie möglich am Baum. In manchen Früchten ist ein Wurm drin, aber dafür sind sie garantiert naturbelassen.

„Damals gab es nur Vordergasse und Hintergasse“

Als das Doppelhaus vor 116 Jahren aus Feldbrandziegeln („Russen“) errichtet wurde, stand es am Ortsrand von Jügesheim. „Damals gab es nur Vordergasse und Hintergasse“, weiß Christina Major aus den Erzählungen ihrer Großeltern. Wo heute die Ludwigstraße mitten durch den Ort führt, befand sich damals der so genannte Hinterweg. Dahinter begannen die Felder.

Der Apfelbaum im Garten hat zwei Weltkriege überdauert und den Hausbewohnern durch schwere Zeiten geholfen. „Nach dem Krieg hat er uns buchstäblich vor dem Verhungern gerettet“, berichtet Christina Major: „Das ging nicht nur uns so, sondern auch anderen. Äpfel waren immer da.“ Ein häufiges Gericht der Nachkriegszeit kommt ihr schon lange nicht mehr auf den Teller: Kartoffeln und Apfelbrei.

Quelle: op-online.de

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