Nicht zu jung für den Ruhestand

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Nach einem chaotischen System werden bis zu 20.000 Einzelpackungen an Medikamenten eingelagert, wie Apotheker Sahm einer Kundin erklärt. Der Roboter findet das Gewünschte in Sekundenschnelle.

Weiskirchen (eh) - Händeschütteln, Lob und gute Wünsche war gestern in der Apotheke St. Peter angesagt. Zahllose Kunden nutzten die Gelegenheit, sich von ihrem Apotheker Klaus Martin Sahm zu verabschieden und dessen Nachfolger Dr. Dirk Hildebrand zu begrüßen.

„Es war höchste Zeit“, antwortet Sahm auf die Frage, ob er mit 63 Jahren nicht zu jung für den Ruhestand sei: „Ich habe zwar noch viele Ideen, aber sie umzusetzen, erfordert zu viel Energie. Das können Jüngere besser machen.“ Bereits ab Mitte 50 spürten viele Menschen, dass die Kräfte nachlassen. Es sei wichtig, den Übergang ins dritte Lebensalter bewusst zu gestalten. Das Loslassen falle ihm nicht schwer.

Klaus Martin Sahm (links) mit Nachfolger Dr. Dirk Hildebrand und Filialleiterin Anne Kinzel.

Beim Verkauf seiner Apotheke hatte Klaus Martin Sahm professionelle Hilfe. Sein Schulfreund Hermann-Josef Weber hatte als Banker viele Unternehmen an die Börse gebracht. Weber schrieb ein Exposé, streckte die Fühler nach Bewerbern aus und führte Gespräche mit den Interessenten: „Ein reiner Freundschaftsdienst“, wie er betont. Rund 60 Pharmazeuten wollten die Apotheke St. Peter übernehmen, 20 von ihnen kamen in die engere Wahl. Zum Schluss musste sich Klaus Martin Sahm unter vier Bewerbern für seinen Nachfolger entscheiden. Die ganze Entwicklung dauerte sieben Monate. In all dieser Zeit sei es gelungen, Gerüchte zu vermeiden, berichtet Hermann-Josef Weber zufrieden: „Bis zuletzt ist nichts herausgekommen.“

Seit 1980 besteht die Apotheke St. Peter

Seit 1980 besteht die Apotheke St. Peter an der Schillerstraße. Zuvor hatte Klaus Martin Sahm 15 Jahre lang an der Waldstraße Medikamente abgegeben, bis die Räume zu klein wurden. „Von dem Standort hat mir jeder abgeraten“, erzählt er. Doch die Entwicklung gab ihm Recht: An der Schillerstraße ging das Geschäft weiter bergauf. Die Apotheke floriert. Zurzeit beschäftigt sie 13 pharmazeutische und kaufmännische Mitarbeiter, davon alleine fünf Apotheker - eine ungewöhnlich hohe Anzahl.

„Die Qualität der Beratung ist nach wie vor das A und O“, betont Klaus Martin Sahm. Den guten Rat vor Ort könne keine Versandapotheke ersetzen. „Natürlich sind die Arzneimittel wichtig“, sagt der erfahrene Apotheker, „aber sie helfen viel besser, wenn Sie die Menschen mitnehmen.“ Sein Nachfolger teilt diese Unternehmensphilosophie und setzt auf das bewährte Team. Das computergesteuerte Warenwirtschaftssystem entlaste die Mitarbeiter von manuellen Tätigkeiten, so dass ihnen mehr Zeit zum Kundengespräch bleibe.

96 Prozent der Kundenwünsche werden sofort erfüllt

Besucher waren gestern beeindruckt von dem Arzneilager im Keller, wo ein sausender Roboterarm im Windeseile das gewünschte Medikament heraussucht. Mit fast 20.000 Packungen von rund 9000 Präparaten erfüllt die Apotheke St. Peter 96 Prozent der Kundenwünsche sofort.

Klaus Martin Sahm zieht sich nicht völlig ins Privatleben zurück. Montags und freitags arbeitet er weiterhin in der Apotheke - aber ohne den Stress und die Sorgen des Betriebsinhabers: „Solange ich selbstständig war, hatte ich immer einen Riesenrucksack zu tragen. Den habe ich jetzt nicht mehr.“

Quelle: op-online.de

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