Applaus fürs WM-Mobil

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Beim „Public Viewing“ bei der SG Nieder-Roden finden sich jede Menge Fußballfans, die das WM-Auto toll finden.

Nieder-Roden - Das sonniggelbe Auto macht gute Laune: Wenn Marcello Cunsolo mit seinem leuchtend bunten Käfer unterwegs ist, zieht er viele Blicke auf sich. Von Simone Weil 

Oben auf dem Dach des 30 Jahre alten Wagens prangt die brasilianische Flagge: „Deswegen habe ich einen gelben VW gebraucht und ihn in München gefunden“, berichtet der 53-Jährige von seinem ganz persönlichen WM-Projekt. „Die Sterne für die Fahne haben wir mühselig in der Küche ausgeschnitten“, erinnert sich der Bastler.

Die Idee, ein Auto mit den Flaggen der 32 WM-Teilnehmerländer zu schmücken, stammt von seinem 16-jährigen Stiefsohn Jeremy Scholz. Weil der fußballverrückte Lackierer im Autohaus Vitale in Mühlheim arbeitet, konnte er dort nach Feierabend in etwa 300 Arbeitsstunden ein Schmuckstück aus dem Auto machen. Etwa anderthalb Jahre hat Cunsolo an dem Fahrzeug geschraubt, lackiert und gewerkelt und damit auch einen Platz in der Werkstatt blockiert. „Das ging nur, weil ich einen verständnisvollen Chef habe“, erzählt der Rodgauer.

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Auch Gattin Monika musste häufig abends und am Wochenende auf den Tüftler verzichten. Dass Werkeln mit allergrößter Geheimhaltung wie bei den neu entwickelten Autoprototypen aber hat sich gelohnt, finden alle, die das WM-Gefährt sehen. Besonders stolz ist Bastler Cunsolo darauf, dass er die Flaggen der Teilnehmerländer handtellergroß in Form der Landesgrenzen auf dem Käfer verewigt hat. „Es war nicht einfach, eine Firma zu finden, die so etwas anfertigt“, erzählt er vom schwierigen Weg zum viel bestaunten WM-Gefährt.

Doch auch oder gerade weil viel Arbeit und Geld in dem Wagen steckt, wird sich Cunsolo von ihm trennen: Für 10.000 Euro will er das blitzende und blinkende Mobil verkaufen. „Am liebsten an einen Brasilianer“, sagt der Fußballfan. Nicht zuletzt, weil er bereits ein neues, aber noch geheimes Projekt im Kopf hat, will sich der Tüftler von seinem bunten Baby trennen. Doch so lange er das Auto noch sein eigen nennt, fährt er damit sonntags in die Klassikstadt nach Frankfurt-Fechenheim und stellt es aus. Außerdem will er sich im Juli an einem großen Käfertreffen beteiligen, bei dem Cunsolo auf einen Preis hofft.

Darüber hinaus lässt es sich der Lackierer nicht nehmen, bei Veranstaltungen wie dem „Public Viewing“ bei der SG Nieder-Roden an der Hainburgstraße aufzutauchen und in der Menge zu baden: Immerhin ist es ein schöner Ausgleich für die vielen Arbeitsstunden, wenn der „Länderbote“, wie sein Schöpfer den bunten Blickfang nennt, von den Besuchern bestaunt und auch reichlich bejubelt wird. Doch die Begeisterung für den mit viel Liebe zum Detail aufgemotzten Wagen hat auch ihre Grenzen: Dann nämlich, wenn Marcello Cunsolo um dessen guten Zustand fürchten muss. Deswegen fährt er ihn lieber nach Mühlheim in die Garage. Sicher ist sicher.

Quelle: op-online.de

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