Arbeit statt Stückwerk 20 Jahre gewartet

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Mit Heißhunger machten sich Mitglieder der Jugendfeuerwehr über einen Kuchen in Form eines Schlüssels her. Daniel, Paul, Denise, Delia, Cedric, Bianca, Felix und Adrian bewiesen gesunden Appetit, während sich die Erwachsenen bei den Maltesern ihr Abendessen holten.

Jügesheim/Hainhausen (eh) ‐ Das Feuerwehrhaus Mitte ist nun offiziell seiner Bestimmung übergeben. Nach dem Feuerwehrhaus Süd ist es der zweite Neubau innerhalb kurzer Zeit.

„Wir haben den Takt gehalten“, freute sich Baudezernent Michael Schüßler (FDP) während der Einweihung am Montagabend.

Obwohl sich die beiden Zweckbauten ähnlich sehen, gibt es große Unterschiede. Dank Konjunkturprogramm wurde das Feuerwehrhaus Süd auf dem Festplatz Nieder-Roden in kürzester Zeit hochgezogen. Auf den Neubau „Mitte“ hingegen wartet die Feuerwehr seit 20 Jahren. Auch das Innenleben ist anders: Am neuen, zentralen Standort befinden sich alle wichtigen Werkstätten.

„Nun haben wir’s endlich geschafft“, sagt Stadtbrandinspektor Andreas Winter erleichtert. Nach jahrelanger Planung seien nun die notwendigen Arbeitsbedingungen vorhanden: „Jetzt kann man von Arbeit reden und nicht mehr von Stückwerk.“

Maschinen erleichtern die Arbeit

Winter erinnerte bei der Einweihung an die vielen Provisorien der letzten Jahre, etwa der Elektrowerkstatt in einem ehemaligen Waschraum. Die Schlauchwäsche von Hand mit vier Grad kaltem Leitungswasser sei im Winter alles andere als ein Vergnügen gewesen: „Wenn man dann nach einer halben Stunde blaue Finger hatte, wusste man auch, warum.“

Heute erledigt eine Waschanlage diese Arbeit automatisch: Nach den Einsätzen werden die Schläuche gesäubert, getrocknet und gleich aufgerollt. Den Schlauchturm, früher ein Wahrzeichen jedes Gerätehauses, benötigt die Feuerwehr nur noch für den Fall, dass nach einem Großeinsatz besonders viele Schläuche zu trocknen sind. Ansonsten dient der Turm als Übungsobjekt fürs Abseilen und die Rettung per Leiter.

Auch in der Atemschutzwerkstatt erleichtern Maschinen die Arbeit. Die Pressluftgeräte werden automatisch gereinigt und desinfiziert. Bei der Feuerwehr nennt man das Schwarz-Weiß-Trennung. Alles, was mit Brandgasen oder anderen Giften in Berührung kam, muss erst einmal gesäubert werden. Die Einsatzkräfte sollen nichts Giftiges nach Hause tragen.

Moderne Gebäude und eine zeitgemäße Ausrüstung

Jenseits solcher technischen Fragen richtete Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) den Blick auf das neue Miteinander der Freiwilligen Feuerwehren aus Hainhausen und Jügesheim. Ähnlich wie in einer Wohngemeinschaft müssten sich alle Beteiligten aneinander gewöhnen und Regeln des Zusammenlebens entwickeln. Beide Seiten hätten dafür gute Vorarbeit geleistet. Der neue Schriftzug „Feuerwehr Rodgau-Mitte“ auf den Fahrzeugen stimme ihn hoffnungsvoll.

Moderne Gebäude und eine zeitgemäße Ausrüstung förderten die Motivation der ehrenamtlichen Feuerwehrleute, sagte Gunnar Milberg vom hessischen Innenministerium. Er brachte zwar keinen Scheck mit, aber eine gute Nachricht: Ein ausgemustertes Löschfahrzeug aus Hainhausen werde in den nächsten Wochen ersetzt, die offizielle Übergabe sei am 10. Juni beim Hessentag geplant.

Kreisbaudezernentin Claudia Jäger (CDU) würdigte die Hartnäckigkeit des Stadtbrandinspektors: „Er ist nicht immer ein einfacher Gesprächspartner. Er weiß, was er für seine Feuerwehr will.“

Beispiel für Zusammenwachsen der Stadt

Der Neubau stehe nicht nur für die Zukunftsorientierung und den langen Atem der Feuerwehr, sagte Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann: „Sie sehen an diesem Beispiel auch, wie die Stadt zusammenwächst.“ Ein Feuerwehrhaus biete nicht nur Platz für Geräte und Ausbildung, sondern müsse für die Aktiven auch zur Heimat werden.

Ein herzliches Willkommen entbot Stadtbrandinspektor Andreas Winter dem Jügesheimer Ehren-Wehrführer Helmut Schwab, der trotz gesundheitlicher Probleme an der Feier teilnahm: „Ohne dich wäre die Einweihung nur die Hälfte gewesen.“

Etwa eine Stunde dauerten die Reden, bis die Wehrführer Christian Bunge und Joachim Blum die Schlüssel überreicht bekamen.Für drei Mitglieder der Jugendfeuerwehr war das lange Stehen zu viel. Sie wurden mit bleichen Gesichtern in einen Lagerraum geführt und dort betreut, bis sich ihr Kreislauf wieder stabilisiert hatte.

Quelle: op-online.de

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