Wo stand einst die Wasserburg?

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Die Wasserburg ist eine Station der Rodgauer Geschichtspfade.

Hainhausen (eh) - Die Suche nach der Hainhäuser Wasserburg geht in wenigen Wochen in ihre entscheidende Phase. Eine Ausgrabung soll klären, wo die Burg genau stand und wie groß sie war. Vielleicht finden sich sogar Reste der Grundmauern aus dem Mittelalter.

„Nicht vor dem 6. August“ werde die Grabung beginnen, teilt der Kreis Offenbach auf Anfrage mit. Das wäre am Beginn der letzten Schulferienwoche. Die Arbeiten sind zunächst auf eine bis zwei Wochen angelegt. Die beiden Kreisarchäologinnen haben die fachliche Leitung. Sie können auf eine Reihe an ehrenamtlichen Helfern der Bodendenkmalpflege zurückgreifen, die Erfahrung mit solchen Aktionen haben.

Auch drei oder vier Mitglieder des Geschichts- und Kulturvereins Hainhausen (GKH) wollen bei der Grabung helfen. Bereits am Samstag, 14. Juli, soll die genaue Grabungsstelle „eingemessen“ und markiert werden.

Ein Teil des Geländes wurde geoelektrisch untersucht

Ort des Geschehens ist die ausgedehnte Wiese in der Rodau-Niederung zwischen Burgstraße und August-Neuhäusel-Straße. Im Frühjahr ist sie regelmäßig überschwemmt. Dass dort einst eine Burg stand, wird in Hainhausen von Generation zu Generation überliefert. Aber wo genau? Damit man die Forscher nicht die ganze Wiese aufgraben müssen, hat der Geschichts- und Kulturverein Hainhausen (GKH) einen Teil des Geländes geoelektrisch untersuchen lassen. Die Ergebnisse präsentiert der GKH nochmals beim Bachgassenfest am Samstag, 28. Juli, auf der Burgstraße. Prospektor Martin Posselt (Mühltal) fand zwei so genannte Störkörper im Boden, an denen er Steinbefunde vermutet. Sie liegen maximal einen Meter unter der Oberfläche. Tiefere Schichten wurden nicht untersucht.

Die Wasserburg ist eine Station der Rodgauer Geschichtspfade.

Die Landesdenkmalbehörde hat eine Ausgrabung östlich des ehemaligen Mühlgrabens genehmigt. Südlich des Anwesens der Familie Kottek und östlich des Mühlgrabens wollen die Archäologinnen und ihre Helfer im August systematisch graben. Um die Wiese zu schonen, werde sich die Aktion zunächst „auf relativ kleine Schnitte beschränken“, kündigte Dagmar Kroemer von der Unteren Denkmalschutzbehörde an. Sollte man dabei auf Mauerreste stoßen, werde man sie wohl weiterverfolgen.

Geoelektrischen Untersuchung zeigte massive Fläche

Kleinere Funde aus dem 9. bis 13. Jahrhundert kamen in der Nähe bereits früher zum Vorschein. Das nährt die Hoffnung auf weitere Entdeckungen. GKH-Vorsitzender Roland Schlitt hofft sogar, auf ein Turmfundament zu stoßen. Am Rand des Messbereichs der geoelektrischen Untersuchung zeigte sich eine massive Fläche mit einer neun Meter langen Kante und einem rechten Winkel. Ist das die Grundmauer des Turms, die in einer alten Aufzeichnung von 1868 erwähnt wurde? Schlitt: „Ich gehe mal davon aus, dass es sich um ein Fundament handelt. Wir hoffen natürlich, dass es zum Turm der Wasserburg gehört, es kann aber auch nur ein Nebengebäude sein. Vielleicht ist es auch etwas ganz anderes. Dann gibt’s halt ein paar lange Gesichter.“

In dem zweiten Störkörper im Boden vermutet Martin Posselt einen Damm, auf dem ein Weg verlief. Dort wird in diesem Jahr nicht gegraben. „Wir wollen uns ja auch noch etwas für die nächsten Jahre vornehmen“, sagt GKH-Vorsitzender Roland Schlitt.

Archäologen lesen dieses Bild wie eine Landkarte. Der abgebildete Geländeausschnitt ist etwa 30 mal 80 Meter groß.

Nach Angaben der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger ist die Hainhäuser Wasserburg die einzige bekannte Burg im Kreis Offenbach, an der noch kein Archäologe seinen Spaten angesetzt hat. Das soll sich nun ändern.

Die einstigen Burgbewohner waren keine unbedeutenden Landadeligen. Im Gegenteil: Die Herren von Haginhusen (Hainhausen) übernahmen zwischen 1183 und 1190 die Burg Eppstein im Taunus, nannten sich fortan Eppsteiner und gelangten innerhalb kurzer Zeit zu großer Macht. Vier Eppsteiner waren zwischen 1200 und 1305 Erzbischöfe der mächtigen Diözese Mainz. Gleichzeitig waren sie Kurfürsten und Reichserzkanzler. Der erste dieser Reihe, Siegfried II., wurde 1165 vermutlich in der Wasserburg geboren. Falls das stimmt, war er der bisher bedeutendste Sohn Hainhausens. 

Quelle: op-online.de

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