Gute Lebensversicherung

Atemschutz-Gerätewart hat extrem verantwortungsvolle Aufgabe  

Jügesheim - Lodernde Flammen, schwelende Brände und dichte Rauchschwaden: Ohne Atemschutzgerät geht da bei der Feuerwehr nichts. Um so wichtiger ist es, dass die Hilfsmittel präzise gewartet werden.Von Simone Weil 

Auseinandernehmen, reinigen, desinfizieren, trocken und kontrollieren: Carsten Weitz hat eine verantwortungsvolle Aufgabe. Der Gerätewart hat seinen Arbeitsplatz im Feuerwehrhaus Rodgau-Mitte in Jügesheim. Er betreut und pflegt dort die Atemschutzgeräte der kompletten Feuerwehr Rodgau: Das sind 108 Pressluftatmer und 250 Atemschutzmasken. Im vergangenen Jahr benutzten Feuerwehrfrauen und -männer bei Übungen und Einsätzen insgesamt 900 Masken, 600 Pressluftatmer und 700 Pressluftflaschen mit Luft für etwa 30 Minuten. Bei solchen Mengen freut sich Weitz über die Reinigungkammern der Feuerwehr und dass er nicht alles mit der Hand säubern muss. Viereinhalb Stunden dauert ein Waschvorgang. Den Laien erinnern die Geräte an Wasch- und Spülmaschine.

Carsten Weitz reinigt, desinfiziert und überprüft die Atemschutzgeräte vor dem nächsten Einsatz.

Selbst Hand legt der Feuerwehrmann nur an, wenn Rußpartikel und Dreck entfernt werden müssen: im „Schwarzbereich“, der ist im Unterschied zum „Weißbereich“ benutzten Teilen vorbehalten. Dort packt Weitz Geräte aus und behandelt sie vor. Dabei trägt er Gummihandschuhe und einen Kittel und nutzt Spezial-Reinigungsmittel. Dann wandern die Einzelteile in die von beiden Seiten zugänglichen Reinigungskammern und können im „Weißbereich“ rausgenommen werden. Dort haben nur saubere Gegenstände etwas zu suchen. Der gelernte Dachdecker, der mit zwölf Jahren seine Leidenschaft für die Feuerwehr entdeckte, hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Seit 13 Jahren ist er bereits für den Atemschutz zuständig. Dabei hat der Jügesheimer es mit einer Tätigkeit zu tun, die er nicht nur peinlich genau ausführen soll, er muss dabei auch noch jeden Schritt dokumentieren. Alle Teile sind mit einem Code versehen. So kann Weitz nachzuvollziehen, wer wann welches Gerät getragen hat. „Ein enormer Aufwand, der aber notwendig ist“, sagt der Feuerwehrmann.

Die penibel eingehaltenen Abläufe dienten dem eigenen Schutz, meint der Gerätewart. Schließlich sei Brandrauch nicht gerade gesundheitsfördernd. Deswegen wechseln die Kollegen auch noch am Einsatzort die verunreinigte Kleidung und transportieren sie in Kisten ab, um mit möglichst wenig schmutzigem Material in Berührung zu kommen: „Alles, wovon die Finger schwarz werden, kann nicht gesund sein“, meint Weitz. Immerhin hängt im Notfall das Leben der Feuerwehrleute von den Geräten ab. Deswegen ist alle sechs Monate auch eine Kontrolle fällig. Wenn es zu einem Unfall kommt, liege es meistens an der unsachgemäßen Handhabung des Atemschutzes oder an einer falschen taktischen Vorgehensweise, sagt Weitz.

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Deswegen lege die Feuerwehr Wert auf eine praxisnahe Atemschutzausbildung, erläutert der 42-Jährige. Mindestens 18 Jahre alt und körperlich fit müssen die Interessenten sein. Denn sie schleppen Material mit einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm herum. Warum Feuerwehrleute alles mitnehmen müssen, obwohl sie nicht wissen, was auf sie zukommt und was genau sie brauchen? „Weil sie keine Zeit haben, um noch mal zurückzugehen, wenn etwa beim Brand im Hochhaus der Aufzug nicht geht“, erklärt Carsten Weitz.

Auch die kleine Rettungs- und Kennzeichnungstasche, die am Pressluftatmer hängt, ist enorm wichtig: Sie enthält einen Türkeil und einen leuchtenden Stift, mit dem Türen gekennzeichnet und damit nachfolgenden Gruppen signalisiert werden kann, dass dieser oder jener Raum schon gesichtet wurde. Mit der Rettungsschere können sich die Retter von der 30 Meter langen Sicherungsleine losschneiden, die ihnen in verqualmten und unbekanntem Terrain helfen soll, den Rückweg zu sichern. Auch für die Funktionstüchtigkeit dieser Gegenstände ist der Gerätewart zuständig.

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Unverzichtbar ist auch der Signalgeber, der im Dunkeln blinkt und Alarm auslöst, wenn sich sein Träger 30 Sekunden lang nicht bewegt hat: Lebenswichtig bei gefährlichen Dämpfen und Gasen, mit denen es die Feuerwehr im Extremfall zu tun haben kann.

Quelle: op-online.de

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