Wasserversorgung

Der Weltwassertag ist auch ein Thema für den Kreis Offenbach

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So unscheinbar sieht eine Grundwasser-Messstelle aus. Diese hier befindet sich in einer kleinen Grünanlage hinter dem Sportplatz der TG Ober-Roden. Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Wochen hat der Grundwasserstand wieder ein normales Niveau erreicht. Die trockenen Jahre 2018 und 2019 hatten das Grundwasser abgesenkt.

„Wasser und Klimawandel“ steht beim Weltwassertag am 22. März im Mittelpunkt. Das ist auch ein Thema für die Wasserversorger der Region. Zwei trockene Jahre haben gezeigt, dass Grundwasser auch in einer wasserreichen Gegend nicht unendlich verfügbar ist.

Rodgau/Rödermark – Der Dauerregen vom Februar und Anfang März hat dem Grundwasser gut getan. Nach zwei Dürresommern sind die Wasserreserven im Boden teilweise wieder aufgefüllt. Welch ein Zufall: Zwei Wetterextreme gleichen sich wenigstens in ihrer Auswirkung aufs Grundwasser aus. Doch die Dürreschäden in Natur und Landwirtschaft bleiben.

Gut zwei Drittel der Grundwasser-Messstellen in Hessen haben wieder ein durchschnittliches oder überdurchschnittliches Niveau erreicht, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) berichtet. Dazu zählen die beiden Pegel im Kreis Offenbach. Einer davon befindet sich bei Ober-Roden im Wald an der Bahnstrecke nach Eppertshausen.

Am Dienstag stand das Grundwasser dort 1,75 Meter unter der Oberfläche. Der tiefste Stand der letzten zwölf Monate wurde im September ermittelt: 3,03 Meter unter dem Gelände. Die Differenz zwischen beiden Werten: 128 Zentimeter. Beim Grundwasser ist ein solcher Unterschied enorm. Normalerweise schwanken die Werte zwischen Sommer und Winter nur um 50 bis 60 Zentimeter. Für Ober-Roden gilt: Bei einem Stand unter 2,75 Meter spricht man von Niedriggrundwasser. Im vergangenen Jahr lag der Wert von Juli bis Dezember darunter.

Der verregnete Februar hat viel ausgeglichen. Der Messwert in Ober-Roden liegt fast genau einen Meter höher als vor einem Jahr. Ist also alles in Ordnung? Nein. Erstens liegt das Grundwasserniveau immer noch eine Handbreit unter dem langjährigen Mittelwert. Zweitens war der Februar 2020 außergewöhnlich nass: Laut HLNUG war er der drittnasseste Februar in Hessen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Nur 1946 und 2002 fielen im Februar noch mehr Niederschläge.

So unscheinbar sieht eine Grundwasser-Messstelle aus. Diese hier befindet sich in einer kleinen Grünanlage hinter dem Sportplatz der TG Ober-Roden. Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Wochen hat der Grundwasserstand wieder ein normales Niveau erreicht. Die trockenen Jahre 2018 und 2019 hatten das Grundwasser abgesenkt.

Ein gut durchnässter Boden und kühles Wetter wirkten sich gut aufs Grundwasser aus. So konnte ein großer Teil der Niederschläge versickern, um schließlich ins Grundwasser zu gelangen.

Die Grundwasserneubildung zwischen November und April ist entscheidend für die Arbeit der Wasserwerke. „Die Grundwasserentnahme muss immer ökologisch vertretbar sein“, betont der Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG), der unter anderem Nieder-Roden und Rödermark versorgt: „Es wird immer nur so viel Grundwasser gefördert, wie sich durchschnittlich langfristig neu bildet.“

Auch der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) mit Sitz in Jügesheim beobachtet die Entwicklung genau. Der ZWO versorgt rund 350 000 Menschen, auch in vier Stadtteilen Rodgaus. Er verfügt über Wasserrechte im Umfang von rund 20 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. Aus 113 Brunnen fördert der Zweckverband etwa 19 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr. Es gibt also noch etwas Spielraum nach oben. Dennoch ruft der ZWO wie alle anderen Wasserversorger zum sparsamen Umgang mit dem kostbaren Rohstoff „Wasser“ auf. Mit Erfolg. Allein von 2011 bis 2014 sank der Pro-Kopf-Verbrauch von 140 auf 125 Liter pro Jahr. Der Nachhaltigkeit und dem Ressourcenschutz dient auch die Zusammenarbeit mit vielen Landwirten der Region: Anbau- und Düngeempfehlungen sollen dazu beitragen, den Nitratgehalt im Grundwasser zu senken.

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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