Fachaufsichtsbeschwerde gegen Veterinäramt

Aufnahmestopp in der Tierstation

+
Für nachtaktive Tiere hat Petra Kipper einen speziellen Raum eingerichtet. Hier versorgt sie einen Weißbauchigel.

Rodgau - Ob Fuchs, Marder oder Stinktier: Wer ein verletztes Tier findet und es in sachkundige Hände geben will, hat zurzeit ein Problem. Die Auffangstation für Wildtiere und Exoten in Dudenhofen nimmt keine Neuzugänge mehr an. Von Ekkehard Wolf

Die ehrenamtliche Leiterin Petra Kipper protestiert damit gegen die Arbeitsweise des Veterinäramts im Kreis Offenbach. Petra Kipper ist eine wichtige Adresse für den Tierschutz in der Region. Viele kennen sie unter ihrem früheren Namen Petra Simon. Polizei, Feuerwehr und Tierkliniken bringen ihr hilflose Kreaturen, die ohne ihren Beistand nicht lange überleben würden. Seit rund 20 Jahren päppelt die Tierfreundin auch scheinbar hoffnungslose Fälle auf. Wildtiere führt sie danach in die Natur zurück. Allein letztes Jahr hat sie rund 450 Tiere versorgt. Dazu zählen auch 150 Exoten, die nicht vermittelt werden können oder dürfen.

In all den Jahren hat Petra Kipper viel Erfahrung gesammelt. Ihre Sachkunde wird weithin geschätzt. Wenn die Mitarbeiter vieler Tierheime von Dreieich bis Marburg nicht mehr weiter wissen, rufen sie bei Petra Kipper an. Das gleiche gilt für niedergelassene Tierärzte, die im Alltag vorwiegend mit den gängigen Haustieren zu tun haben. Tierärztin Bettina Gramß aus Rodgau: „Ich bin froh, dass ich Frau Kipper als sachkundige Ansprechpartnerin in Bezug auf Wildtiere und Exoten habe.“ Die vierfache Mutter leistet ihre Tierschutzarbeit ehrenamtlich. Die Hälfte ihrer Einkünfte steckt sie in den Betrieb der Auffangstation. Ein städtischer Zuschuss von 6000 Euro im Jahr finanziert einen Teil der Raummiete.

Misstrauen und „Halbwissen“

Andere Auffangstationen würde sich freuen, wenn sie so viel Platz hätten. Die Räume sind großzügig, luftig und sauber. Es gibt eine Quarantänestation und einen separaten Raum für nachtaktive Tiere. Den Mittelpunkt des Hauses bildet ein Vortragsraum mit einem Kreis von 30 Stühlen. Dort hält Petra Kipper Vorträge über Tier- und Artenschutz. Damit verdient sie ihren Lebensunterhalt und das Geld für die Auffangstation: Futter, Tierarzt, Heizung und vieles mehr. Tierschutz bedeutet auch viel Papierkrieg. Sachkunde-Nachweise, Anträge, Genehmigungen und Behördenbriefe füllen mehrere Ordner. Neben der allgemeinen Erlaubnis nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes besitzt sie ein ganzes Bündel weiterer Genehmigungen.

Warum sich die Bearbeitung mancher Anträge über Monate oder Jahre hinzieht, ist der Tierschützerin ein Rätsel. Beim Regierungspräsidium Darmstadt hat sie deswegen eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen den Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Kreises Offenbach eingereicht. Misstrauen seitens der Behörde macht die Zusammenarbeit zwischen Petra Kipper und den Amtstierärztinnen Dr. Evelin Jugl und Dr. Kathrin Löhring nicht einfach. Schon mehrfach musste sich die staatlich anerkannte Wildtier- und Exoten-Expertin den Vorwurf mangelnder Sachkunde anhören. Sie hingegen wirft der zuständigen Amtstierärztin „gefährliches Halbwissen“ und fehlenden Bezug zur Praxis vor.

Orang-Utan-Baby „Sayang“ aus dem Frankfurter Zoo

Orang-Utan-Baby „Sayang“ aus dem Frankfurter Zoo

Ein Streitpunkt sind die Richtlinien über Mindestanforderungen für die Tierhaltung, die unter anderem die Größe von Käfigen und Terrarien vorschreiben. Am 1. November rückten Mitarbeiter des Veterinäramts zu dritt mit dem Zollstock in der Auffangstation an. Sie reklamierten zum Beispiel, dass ein Terrarium für Knirpsmäuse nur 0,36 statt 0,5 Quadratmeter groß sei. Auch ein Chinchilla sei in einem zu kleinen Gehege untergebracht. Petra Kipper betont, die Säuger hätten mehr Platz als in einer Zoohandlung. Zudem seien sie bei ihr nur vorübergehend untergebracht: „Die Mindestrichtlinien gelten nicht für Auffangstationen. Hier geht es um das Leben und Überleben der Tiere.“

„Statt die Zentimeter von Terrarien zu messen, sollte sich das Veterinäramt lieber um das Amselsterben kümmern“, kritisiert Petra Kipper. Schon am 30. August habe sie auf das todbringende Amselvirus hingewiesen. „Der Kreis Offenbach ist sehr an einer einvernehmlichen Lösung mit Frau Kipper interessiert“, betont Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf. In den Gesprächen sei man auf einem guten Weg. Beim jüngsten Ortstermin hätten sich jedoch Mängel ergeben, über deren Tragweite unterschiedliche Auffassungen bestünden. Von der Fachaufsichtsbeschwerde in Darmstadt erhoffe sich der Kreis eine inhaltliche Klärung. Petra Kipper: „Es gibt keine Mängel hier. Die gleichen Gehege wurden vor einem Jahr anstandslos akzeptiert. Nur jetzt sucht man in den Krümeln.“

Die süßesten Katzenbilder unserer Leser

Die süßesten Katzenbilder unserer Leser (Teil 4)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare