Ausbildungsbeginn in zahlreichen Unternehmen

Start in neue Lebensphase

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Mehr als 20 junge Menschen haben ihre Ausbildung bei der Stadtverwaltung begonnen. Die meisten werden zu Sozialassistenten ausgebildet oder absolvieren ihr Anerkennungspraktikum in einer städtischen Kinderbetreuungseinrichtung. Serif Bayam erlernt in der Verwaltung den Beruf Verwaltungsfachangestellter und durchläuft dabei nahezu alle Fachdienste und Fachbereiche. Der Fachbereich IT, Planung und Betrieb bildet erstmals mit Tobias Krauße einen Fachinformatiker für Systemintegration aus. Viel Information und viele neue Gesichter gab es am Begrüßungstag für die Neuen. Sie wurden bei den ersten Schritten der Ausbildung nicht nur von Bürgermeister Jürgen Hoffmann, sondern auch von ihren Ausbildungsbeauftragten begrüßt. Diese gaben schon einmal einen ganz kurzen Einblick in ihre Tätigkeitsbereiche.

Rodgau - In Deutschland fehlen 360 000 Fachkräfte. Zum Teil trägt die unzureichende Anzahl an Auszubildenden dazu bei. Einige Betriebe haben trotz Ausbildungsbeginn derzeit immer noch Stellen zu vergeben. Von Laura Haas

Unsere Zeitung hat bei Firmen in Rodgau und Rödermark nachgefragt, um herauszufinden, wie es um die Situation der Lehrlinge steht und wie damit umgegangen wird. Besonders Handwerksberufe wie Metzger oder Bäcker, verlieren heute für junge Menschen an Attraktivität. Jeder will kreativ sein, aber nur wenige wollen schaffen. Dabei ist gerade in diesen Berufen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Auszubildende nach seiner Lehre übernommen wird.

„Es kommt öfter vor, dass wir freie Stellen haben“, bedauert Christina Zimmermann, Geschäftsführerin der Metzgerei Hiller in Jügesheim. Zurzeit steht eine freie Stelle zum Fleischer aus, die allerdings nicht dringend besetzt werden müsse. Der Betrieb sei mit seinen drei Auszubildenden „vollkommen zufrieden“.

Auch der Bäckerei Schäfer in Hainhausen fehlt es an Lehrlingen. „Von drei Stellen (ein Bäcker, zwei Verkäufer) sind zwei nicht besetzt“, resümiert Inhaber Wolfgang Schäfer. Doch wie lässt sich das erklären? „Der demografische Wandel spielt eine große Rolle“, vermutet der Chef. Schlussfolgernd gebe es immer wenigere junge Menschen, die sich bewerben.

Freifahrtschein für Ausbildungssuchende

Am ersten Arbeitstag sammelte Lehrling Lukas Geist bei den Baustoffwerken Rodgau gestern viele Eindrücke. Dazu gehörte auch ein Rundgang auf dem weitläufigen Betriebsgelände im Dudenhöfer Wald mit Ausbildungskoordinator Walter Kolb (links).

Wer denkt, dass dies ein Freifahrtschein für Ausbildungssuchende ist, irrt sich. „Es gibt mehr Plätze als geeignete Bewerber“, so Schäfer weiter. Es werde zwar gesucht, aber vor allem national als auch international erfolgreiche Betriebe brauchten qualifiziertes Personal. Ein guter Schulabschluss sei ein Muss. Bevor Betriebe einen ungeeigneten Kandidaten nehmen, lassen sie die Stelle lieber offen.

Auch die Baustoffwerke in Rodgau folgen diesem Prinzip. Von zwei freien Plätzen ist einer belegt. „Wir bekommen viele Bewerbungen, aber wir brauchen jemanden mit einem hoch qualifiziertem Hauptschul- oder mit einem guten Realabschluss. Andernfalls sind Probleme in der Berufschule vorprogrammiert“, so Ausbildungskoordinator Walter Kolb. Das Unternehmen versuche jedoch mit sofortiger Übernahme und der Ausbildung in verschiedenen Bereichen (Industriekaufmann, Elektroniker für Betriebstechnik) bei geeigneten Bewerbern zu punkten. „Wir brauchen junge Menschen für die Zukunft.“

„Zwischen 40 und 50 Bewerbungen kommen auf eine Stelle“

Kegelmann Technik GmbH in Jügesheim, eine Produktionsfirma für Prototypen, besteht ebenfalls auf einen guten Abschluss. „Wir nehmen auch Hauptschüler an, aber die Zeugnisnote darf nicht schlechter als 2 sein. Bei Realschülern nicht schlechter als 3“. Die elf Ausbildungsplätze sind fast immer besetzt. „Zwischen 40 und 50 Bewerbungen kommen auf eine Stelle“, erläutert Irene Folds, Assistenz der Geschäftsleitung.

Christian Brandstetter ist einer der Neuen bei der Kegelmann Technik GmbH in Jügesheim. Er absolviert eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker.

Der Grund für die Beliebtheit bei Lehrlingen kann am allgemein guten Ruf des Unternehmens liegen. Allerdings auch am offensiven Umgang der Firma mit dem Thema Ausbildung. Der Betrieb wirbt schon an Schulen oder bei Berufsmessen um Nachwuchskräfte. „Wir laden auch zum Praktikum ein. So können sich beide Seiten kennenlernen. Wenn alles harmoniert, gibt es die Möglichkeit eines Stellenangebots“, beschreibt Folds den Einsatz von Kegelmann.

Des Weiteren habe der Betrieb bis jetzt alle Auszubildenden übernommen. Für ihr Engagement in der Berufsausbildung und der aktiven Ausbildungstätigkeit erhielt die Produktionsfirma 2012 eine Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer Offenbach.

Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer Offenbach

Die Stadtverwaltung in Rodgau besitzt zwar keine derartige Urkunde, ist jedoch nicht weniger engagiert. Sie begrüßt seit August 25 junge Menschen, die sich vor allem zu Sozialassistenten oder Anerkennungspraktikanten in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen ausbilden lassen. „Wir wollen die Jugend“, verdeutlicht Sabine Fischer, städtische Pressesprecherin. „Deshalb gelten bei uns gleiche Chancen für alle.“ Alle Bewerber müssen sich demselben Test unterziehen. Die Note im Schulabschluss spielt keine entscheidende Rolle. Lehrlinge haben die Möglichkeit nach bestandener Abschlussprüfung ein Jahr lang übernommen zu werden.

Ob es nun an einem schlechten Zeugnis, an fehlendem Engagement oder zu wenigen Optionen liegt, der Mangel an Auszubildenden ist real und wird sich weiterhin auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland auswirken. Eine Studie des Fachkräftemonitors „regio pro“ belegt, dass bis 2018 rund 100 000 Arbeitskräfte fehlen werden.

Top Ten der unbeliebten Berufe

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Quelle: op-online.de

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